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Wandern mit (kleinen) Kindern – gewusst wie?

Für uns ist Wandern ist eine unglaublich angenehme und effektive Form der Erholung. Es ist auch eine angenehme Art zu reisen, bei der man in einem mäßigen Tempo sowohl die Umgebung um sich herum bequem wahrnehmen und auch leichter mit anderen Menschen in Kontakt kommen kann, als wenn man z.B. mit dem Auto durch die Gegend fährt (wenngleich das natürlich auch seine Vorteile hat). Das Wandern hat uns Eltern schon immer verbunden, und als die Kinder auf die Welt kamen, wollten wir das auf keinen Fall aufgeben – nur anpassen.

Mit Kindern muss man natürlich sein Wanderverhalten geringfügig ändern und sich mehr an ihnen und ihren Möglichkeiten anpassen. Auf der anderen Seite schaffen Kinder viel mehr als man am Anfang vielleicht zu glauben und hoffen wagt. Alles eine Frage des Trainings und der Motivation – und der Selbstverständlichkeit. Es ist eben wie im übrigen Leben, hängt alles davon ab, was man den Kindern vorlebt.

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Wandern ist einfach. Im Prinzip benötigt man keine aufwendige und teure Ausrüstung, wenn auch ein gutes Paar Wanderschuhe und gute Regenkleidung das ganze klar erleichtern. Man kann ja heute viel Geld für das „richtige Outdooroutfit“ ausgeben, das Angebot ist vielseitig, aber teuer ist nicht immer gleich auch gut. Im Falle der Kleidung, setzen wir gerne auf Qualität, was die Schuhe und vor allem Regenkleidung anbelangt. Die Kinder danken es einem wenig, wenn man beim Wandern aufgrund von Wind und Regen auch noch nass wird oder anfängt zu frieren. Ist man gut gekleidet, kann eigentlich fast nichts mehr schiefgehen – auch bei schlechtem Wetter.

Bei Regen auf dem Routeburn Track (2011, Neuseeland)

Wie gesagt, im großen und ganzen ist Wandern eine einfache Sache, der man fast überall auf der Welt ohne große Schwierigkeiten nachgehen kann. Und es müssen ja auch nicht immer tagelange Wanderungen durch den Amazonasdschungel sein. In den Alpen haben wir schon richtig lange Tageswanderungen mit unseren Kindern gemacht und sind immer wieder überrascht, welche Energien sie mobilisieren können, wenn die Motivation stimmt. Da können schon auch mal wir Eltern müde werden, wenn die Kids noch Reserven haben…

Unseren Kindern konnten wir bisher die Schönheit des Wanderns näher bringen. Klar sind sie anfangs nicht immer total begeistert, wenn wir zu Beginn einer Wanderung zum Gipfel hinaufschauen und sagen „Da müssen wir heute rauf!“ – da wollen wir gar nichts schön malen. Aber letztendlich ist alles eine Sache der richtigen Herangehensweise (manche Dinge entscheiden wir Erwachsene, manche Dinge dürfen die Kids entscheiden) und natürlich der Motivation. Fürs „gute Wandern“ gibt es bei uns in der Regel eine kleine Belohnung hinterher, was meist sehr motivierend wirkt. Und letztendlich macht den Kindern eine Wanderung in unwegsamen Gelände mit ab und zu Klettern oder sich durchs Unterholz schlagen mehr Spaß, als ein Waldspaziergang auf breiten Wegen oder ein Gang durch die Fußgängerzone einer großen Stadt (meistens zumindest!).

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Natürlich ist es wichtig, die Sicherheit nicht aus den Augen zu lassen, auf der anderen Seite gibt es die auch nicht zu hundert Prozent garantiert, wenn man sich draußen in der Natur bewegt. Es können immer unvorhergsehene Dinge passieren. Ein ordentliches Erste-Hilfe-Kit gehört natürlich ebenso zur Wanderausrüstung, wie genügend Proviant und v a Wasser (das wurde uns im Sommer 2013 bei Temperaturen um die 30 Grad auf einer siebenstündigen Wanderung an der österrich-italienischen Grenze am Ende ziemlich knapp… gut, dass es die letzten zwei Stunden „nur“ noch bergab ging, und das Auto am Grenzübergang geparkt war, wo es sowohl Trinkbares als auch Eis gab – der große Vorteil der Alpen, meist nicht weit bis zur nächsten Gastronomie!!). Im diesjährigen Sommerurlaub, wo wir eigentlich meist bei Temperaturen über 30 Grad unterwegs waren, haben wir extrem viel Wasser mitgeschleppt, so dass wir am Ende oft noch volle Flaschen hatten als wir wieder zuhause ankamen. Aber diese Extra Gram schleppen wir inzwischen gerne mit uns herum.

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Im Hochsommer im Yosemite NP (Kalifornien, Sommer 2015)

Manchmal entwickeln sich auch Touren anders als erwartet. Wege werden plötzlich steiler, enger oder erfordern Klettereinsätze, mit denen man nicht gerechnet hatte. Dann ist es wichtig, sich selbst und seine Kinder gut einzuschätzen zu können, um keine unnötigen Risiken einzugehen. Für unsere zukünftigen Touren in den Bergen z.B. haben wir uns vorgenommen, sowohl Helm und Kletterseil dabeizuhaben, um weder uns noch die Kinder unnötigen Risiken auszusetzen.

Man kann Sicherheitsdenken und Klettern auch trainieren, z.B. bei einem professionellem Kletterkurs. Die gibt es inzwischen an vielen Orten auch als Familienkletterkurse, wo man seine Fähigkeiten zusammen ausprobieren und üben kann. Wir haben das ausprobiert, und es macht unglaublichen Spaß, so etwas zusammen mit den Kindern zu probieren und sich selbst und die Kinder zu testen, und das unter kontrollierten Verhältnissen.

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Familienkletterkurs in den Kärnter Alpen (Österreich, Sommer 2014)

Wenn man seine Unternehmungen aber den eigenen Fähigkeiten und der der Kinder anpasst, ist Wandern die optimale Art des Reisens und der Erholung sowie Erlebnis! Es gibt ja immer so viel unterwegs zu sehen und zu entdecken. Da kann es schon eher vorkommen, dass man die Kinder ein wenig antreiben muss, weil sich „zu“ lange eine bestimmte Blume oder einen bestimmten Käfer anschauen wollen, als dass sie aufgrund von Müdigkeit und Erschöpfung nicht mehr weiter wollen. Aber was tun, wenn es dann doch mal dazu kommt? Inzwischen sind unsere Kinder so groß (=schwer), dass man sie zumindest keine längeren Strecken mehr durch die Gegend tragen möchte (kann). Eine extra Pause mit einem kleinen Snack kann da Wunder bewirken. Ansonsten hilft nur ablenken, Lied singen, irgendwie anders beschäftigen, so dass sie ihre Müdigkeit für den Moment vergessen. Oder hoffen, dass hinter der nächsten Ecke gleich etwas interessantes kommt, was ihre Aufmerksamkeit fängt und sie ihre Müdigkeit vergessen lässt…

Und man muss es sich natürlich auch nicht unnötig anstrengend machen. Gerade in den Alpen kann man oft Bergbahnen/Gondeln nutzen, um große Höhen zu überwinden und so auch mit kleinen Kindern  in den Genuss einer Wanderung in relativ großer Höhe mit herrlichem Bergpanorama kommen. Dabei ist es besser rauf zu laufen und runter zu fahren (auch wenn das die Kleinen nicht immer glauben wollen!).

Und das Gefühl nach ordentlichen Strapazen gemeinsam auf dem Gipfel zu stehen, ist schon was Besonderes!

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Und wo sind wir bisher gewandert? Die meisten Wanderungen in den letzten Jahren zusammen mit den Kindern haben wir seltsamerweise im Urlaub gemacht und nicht hier zuhause in Schweden. Wir waren vor allem in den Alpen wandernd unterwegs. Auf unserer Reise durch Neuseeland vor einigen Jahren, waren die richtig tollen und langen Wanderungen ja leider für uns unerreichbar, da die Kinder noch recht klein waren (5.5 und gute 3 Jahre), was uns aber nicht davon abhielt, einzelne Tagesetappen der großen Tracks zu laufen oder wie im Abel Tasman Nationalpark, mit Hilfe von Wassertaxis in den Nationalpark zu gelangen und dann den eher flachen Track zu laufen. Wir planten damals eine Übernachtung mit ein (wir hatten Glück und ergatterten einige Tage zuvor im i-site in Nelson noch Restplätze in der Bark Bay Hut). Von dieser Wanderung und v a der Hüttenübernachtung sprechen die Kinder heute noch. Nach zwei Tagesetappen wurden wir dann wieder vom Wassertaxi abgeholt. Eine einfache Sache und gar nicht so kostspielig. Wie gesagt, es gibt viele Möglichkeiten und eigentlich wenig Hindernisse.

Abel Tasman Coast Track (Neuseeland, 2011)

In Costa Rica haben wir keine richtig langen Wanderungen unternommen, meist nur so ca zwei- bis dreistündige Touren. Das feucht-heiße Klima machte uns doch ein wenig zu schaffen. Auf unserer letzten Reise durch den Südwesten der USA haben wir die eine oder andere längere Tageswanderung gemacht, trotz hoher Temperaturen. Da wir immer genug Proviant und Wasser dabei hatten, waren die Wanderungen nie ein Problem – ganz im Gegenteil. Erneut waren wir erstaunt, wie die Kinder ohne viel Meckern die Berge rauf und runtergelaufen sind.

Und wie weit kann man mit kleinen Kindern nun wandern? Es ist schwer, konkrete Entfernungsangaben zu machen, da das natürlich von so vielen Faktoren abhängig ist. Wir sind anfangs mit unseren Kindern so um die 5-7 km pro Tag gewandert, aber da waren sie noch relativ klein. Heute gehen wir da längere Strecken pro Tag, aber legen in den Bergen vor allem auch ne ganze Menge Höhenmeter zurück. Man muss sich da sachte herantasten und seine eigenen Fähigkeiten und die der Kinder austesten. Man kann sich dann schrittweise an längere Etappen heranwagen.

Und wenn die Kinder richtig klein sind und noch in irgendeine Art von Trage passen, gibt es fast keine Grenzen fürs Wandern (außer die eigene Kondition!). Natürlich muss man auch dann darauf achten, Pausen einzulegen, dass das Kind nicht zu kalt oder warm wird usw. Es gelten die gleichen Regeln wie im Alltag eben, komplizierter ist es nicht. Und alle Kinder mögen die Trage ja auch nicht.

Nr. 2 in der Kinderkraxe (Portugal, September 2008)

Unsere Nummer 1 hat sowohl im Baby-Björn als auch in der Trage gewohnt, wohingegen seine kleine Schwester da fast nie drinsitzen wollte…

Fazit:

  • Wandern mit Kinder können wir wirklich nur empfehlen.
  • Wir glauben auch, dass es wichtig ist, die lieben Kleinen früh daran zu gewöhnen. Es wird eher schwieriger, wenn man zu lange damit wartet.
  • Im allgemeinen ist Wandern auch mit Kindern sehr einfach und bedarf keiner großen Vorbereitungen, wenn man mal von längeren Mehrtageswanderungen mit Übernachtungen absieht.
  • Wichtig, ist dass man genügend Proviant (inkl. zuckerhaltigem) und Getränke (v a Wasser) dabei hat inklusive einer nicht zu kleinen Reserve.
  • Auch darf man die Sicherheit nicht aus den Augen lassen, aber im großen und ganzen reicht der gesunde Menschenverstand aus, um größeren Gefahren aus dem Weg zu gehen.
  • Verbandszeug mit Pflaster unterschiedlicher Größe, Desinfektionsmittel und elastischer Binde gehören definitiv mit ins Gepäck.
  • Anfangs nicht zu lange/weit gehen und erstmal den Willen und das Leistungsvermögen der Kinder testen; dann schrittweise die Etappen verlängern/anpassen.

Wandert ihr auch regelmäßig mit euren Kindern? Seid ihr vielleicht bereits lange Touren als Familie gewandert? Wir planen für nächsten Sommer eine etwas längere Wandertour mit mehreren Übernachtungen und freuen uns immer auf Tipps und Anregungen.

Viel Spaß beim Wandern!

10 Kommentare

  1. Toller Artikel – Seit unser Sohn sitzen konnte haben wir unseren Tragegurt geliebt. Jedoch seit unserem Hüttenurlaub im Kaisertal vor 2 Jahren haben wir eine Tragekraxe – diese hat nicht nur den Vorteil, dass man auch unterm Sitz etwas verstauen kann, sonder nun auch unser Sohn mir über die Schulter schauen kann und damit mehr erlebt. Je älter er wurde desto öfter wollte er selber gehen – Und so haben wir dieses Jahr, jetzt ist er 4 Jahre alt, unsere erste Wandertour über 10km in der Sächsischen Schweiz gemacht – die er ganz alleine ohne tragen gemeistert hatte. Während der Wanderung haben wir sogar ein Video gedreht: http://bit.ly/V8SaxSchw

    • Vielen Dank, Oliver. Ja, mit der Tragekraxe kamen wir auch ziemlich gut zurecht; haben die auch im Alltag viel eingesetzt und auf Reisen, v a wenn man mit den Kindern alleine unterwegs war und beide Hände frei haben wollte. Es freut uns, dass ihr die gleiche Erfahrung gemacht habt, wie wir. Mit der richtigen Herangehensweise (und manchmal auch ein wenig Glück) macht Wandern mit Kinder riesigen Spaß. Viel Erfolg noch bei euren weiteren Vorhaben!

  2. weltwunderer

    Bis vor Kurzem hätte ich meine Kinder ebenfalls über den grünen Klee gelobt für ihre Wanderfreude. Und jetzt ist die Große ein Teenager und findet Wandern plötzlich langweilig, öde und doof 🙁 Trotzdem mitschleppen oder einfach zu Hause sitzen lassen, das ist die Frage…

    • Und diese Frage ist natürlich nicht leicht zu beantworten… 🙂 Man muss sich schon fragen, in wie weit „Zwang“ das beste Mittel ist, um die Motivation zu steigern… unsere Erfahrung sind ja wie gesagt bisher hauptsächlich positiv, haben aber auch noch keine richtigen Teenager in der Familie. Wie so oft sollte man am ehesten versuchen, Kompromisse zu finden wie z.B. „heute gehst du mit uns wandern, morgen gehen wir dafür mit dir Shoppen“ (oder was nun eben gerade im Moment angesagt ist). Ob das dann wirklich klappt, sei aber noch dahingestellt. Können ja in ca 3 bis 4 Jahren hier nochmal ein update posten, wie es uns dann bis dahin ergangen ist!! 🙂

  3. „und sind immer wieder überrascht, welche Energien sie mobilisieren können, wenn die Motivation stimmt“ – Das kann ich so voll und ganz unterschreiben. Wie überhaupt das meiste. 🙂 Wandern mit Kindern rockt!

    Viele Grüße,
    Lena

  4. Marc

    Sehr guter Beitrag.
    Ich bin dieses Jahr mit meinem Kleinen die Krimmler Wasserfälle hochgelaufen. Der war da gerade 4 geworden. Hat mich selbst erstaunt. Aber er (und ich) wollte unbedingt den 3. Wasserfall sehen und in der Hütte oben ein Eis essen = Motivation!
    Oben gabs dann sogar ein dickes Lob vom Wirt: „4? Das schaffen nicht viele!“
    So muss das sein!

    Liebe Grüße,
    Marc

    • Ehrlich gesagt, waren wir noch nie wirklich in der Sächsischen Schweiz unterwegs, obwohl wir früher in Berlin gelebt haben. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben – vielleicht schaffen wir das ja mal.

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