58Grad Nord - Zion National Park
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USA-Reisetagebuch Tag 11-12 (9.-10. Juli): Zion Nationalpark

Die Nacht war bitterkalt… selbst im Schlafsack war es nicht gerade warm auf über 8000 Fuß, aber heute ging es ja wieder nach „unten“, hatten wir uns mit den Stockholmern am Zion Nationalpark verabredet. Da wir immer noch ohne Kommunikation waren, hatten wir vorab einen „genauen“ Plan vereinbart, an welchem Campingplatz wir uns treffen wollten (inkl. Plan B und C…).Der Camphost (=Platzwart) war am Morgen recht sauer, dass wir die Franzosen bei uns ihr Zelt aufschlagen hatten lassen. Voll ist voll erklärte man uns. Sie hätten am Vorabend 15 Personen wieder weggeschickt. Offensichtlich gibt es die Möglichkeit, außerhalb des Parks aber innerhalb der Grenzen des National Forest auch wild zu campen (Dispersed Camping), was weder die Franzosen noch wir wussten. Sonst ist wild campen meist verboten hier. Nun ja, der Camphost beruhigte sich auch wieder, und die Franzosen sahen zu, dass sie schnell den Platz verließen. Wir auch!

Unterwegs stockten wir noch unsere Vorräte auf und tankten unseren benzinschluckenden RV. Da wir wie gesagt Probleme mit dem Laden v.a. der Kamerabatterien haben, warf H auf dem Parkplatz vor dem Laden kurzerhand den Generator des RVs an… mit ein bißchen einem schlechten Gewissen und bereit, ihn sofort wieder auszuschalten, wenn sich jemand beschweren sollte. Aber wir standen zum einen an einer sehr verkehrsreichen Kreuzung und zum anderen stört so etwas offensichtlich niemanden in USA. Zuhause in Schweden hätten wir uns das jedenfalls nicht getraut…

Irgendwann hatten wir dann plötzlich wieder Mobilempfang, und das Plingen in H.s wollte gar nicht mehr aufhören. Alle Nachrichten der letzten Tage kamen an, auch einige, die gar nicht an uns waren (unsere Nummer scheint bis vor kurzem noch jemanden anderem gehört zu haben). Irgendwann kam dann auch eine Nachricht, dass sie bereits am Zion NP waren und zwei Plätze für unsere RVs ergattert hatten! Das war natürlich klasse, da die Plätze dort auf der „come first, serve first“-Basis vergeben werden (und man eigentlich nicht für jemanden anderen einen Platz besetzt halten darf).

EinfhartZion_wm

Die Einfahrt zum Park war schon beeindruckend, glichen die Berge und Felsformationen überhaupt nicht dem, was wir am Grand Canyon gesehen hatten. Um in den eigentlichen Park zu kommen, muss man einen 1.1 Meilen langen Tunnel passieren, den RVs aber nur in einer Richtung durchfahren können, sprich der Tunnel muss dann für die entsprechende Zeit für den übrigen Verkehr gesperrt werden. Das kostet 15$ für hin und zurück, und man bezahlt direkt beim Ranger am Eingang zum Park. Danach war es dann nicht mehr weit bis zum South Campground, wo die Stockholmer schon auf uns in der Hitze warteten.

CampgroundZion_wm

Die Kinder waren froh, wieder miteinander spielen zu können und kühlten sich erstmal im kleinen Bach in der Nähe ab. Wir machten dann noch eine kurze Tour zum nahegelegenen Visitor Centre, wo wir uns mit Informationen über den Park eindeckten. H erstand einen Sonnenhut und nutzte die Zeit zum Aufladen einer Kamerabatterie. Die Kinder holten sich alle ein Heft mit Aufgaben für den Junior Ranger, ein extra Kinderprogramm in den Park, mit dem sie sich ein Abzeichen verdienen können und gleichzeitig mehr über die Parks und die Geschichte sowie Natur zu lernen. Den Abend schlossen wir mit einem herrlichen Grillabend bei lauen Temperaturen ab. Und danach gab es noch ein abendliches Familienprogramm, bei dem die Ranger erzählten, wer in der Gegend um den Zion herum gelebt hatte, bevor die weißen Siedler aus Europa kamen. Für den nächsten morgen war ein früher Aufbruch zu einer Wanderung geplant, da man die Nachmittagsstunden doch eher meiden sollte.

JuniorRanger_wm

Kaktus_wm

So machten wir uns am nächsten Morgen um 7 Uhr alle gemeinsam auf den Weg zur nächsten Haltestelle des parkeigenen Shuttlebusses. In vielen Parks gibt es diese Busse, die bestimmte Strecken im Park abfahren. Im Zion NP fährt der Shuttlebus größtenteils eine Strecke, die man im Sommer mit dem eigenen Wagen überhaupt nicht fahren darf. Wir fuhren erstmal bis zur Zion Lodge und gingen von dort aus zu den Emerald Pools (erst zu den Lower Emerlad Pools, dann bis zu den Upper Emerald Pools) und danach weiter den Kayenta Trail bis „The Grotto“. In den Pools war zu dieser Jahreszeit nicht gerade viel Wasser und verglichen mit den Emerald Lakes in Neuseeland waren sie recht klein, aber die Wanderung war entfernungsmäßig ein guter Start in den Tag. Bei „The Grotto“ nutzten wir dann wieder den Shuttle und fuhren bis zum „Temple of Sinawava“, die letzte Station im Park. Von hier kann man einen bequemen Spaziergang entlang des Flusses machen („Riverside Walk“), und am Ende den Fluss überqueren bzw. hinauflaufen. Diese sehr beliebte Wanderung, sie nennt sich „The Narrows“, da der Canyon immer enger wird, je länger man ihn hinaufläuft. Wir hatten das eigentlich nicht geplant, entschlossen uns aber kurzfristig dazu, zumindest den ersten Teil zu gehen. Insgesamt sind es gute 15 km, und das wollten wir uns dann mit den Kindern doch nicht antun, vor allem, da wir ja  bereits einige Kilometer zurückgelegt hatten. Die Kinder fanden es aber total spannend, durch das kalte Wasser zu waten und so gingen wir – zusammen mit Hunderten von anderen – eine gute Stunde den Canyon entlang. Irgendwann kehrten wir dann wieder um, um nicht zu spät zu unserem Campingplatz zurückzukehren.

Wanderung_wm

EmeraldPool_wm

UpperEmerald_wm
Nach unserer Rückkehr gingen C und B noch mit den Kindern zum Visitorcenter, um ihr ausgefülltes Junior Ranger Heft abzugeben, und die entsprechende Anstecknadel zu bekommen. Dann war nochmal Baden im Fluss, ein wenig Ausruhen usw angesagt. Gegen später warfen wir nochmal den Grill an.

Der Plan für den kommenden Morgen war wieder ein früher Start. Leider konnten wir nicht vor 8 Uhr den Tunnel passieren. Die Campingplätze im Bryce Canyon, unser nächstes Ziel, konnte man nicht vorbuchen, so dass wir früh da sein mussten, um nicht leer auszugehen. Hier im Zion war das ja genauso. Als wir heute nach der Wanderung vor unserem RV saßen und eine Kleinigkeit aßen kam ein Mann aus Kansas bei uns vorbei und bat uns um unsere Hilfe, unseren Platz für morgen früh zu buchen. Er bezahlte gleich die Gebühren (legt man in einen speziellen Umschlag und legt ihn in einen eigens dafür gemachten Briefkasten am Campingplatzeingang) und bat uns nur, den kleinen Reservierungsabschnitt bei unserer Abfahrt an unserem Platz festzumachen. Den Gefallen taten wir ihm natürlich gerne. Er war so glücklich und bedankte sich unzählige Male. Wir wollten ihm natürlich gerne helfen, kannten wir das Problem jag selbst nur zu gut. Er erzählte uns, dass er gerade in Rente gegangen war und nun seine „Bucketlist“ abarbeitete, und da gehörte der Zion NP natürlich auch dazu, was wir sehr gut verstehen konnten!

Mehr praktische Information zum Zion NP gibt es hier.

7 Kommentare

  1. In Zion das RV dabei zu haben, hört sich praktisch an. Wir bekamen vor 2 Jahren keinen Campingplatz mehr (und das Ende September in der Off-Season) und fanden dann einen weiter entfernt gelegenen Campingplatz. Das nächste Mal bleibe ich länger und mache eine Wanderung mit Permit.

    Sieht so aus, als hättet ihr eine gute Zeit dort verbracht!

    • Wir sind absolute Campervan-Fans. Ein RV ist genau das richtige für uns und auch für einen Aufenthalt im Zion. Wir haben damals aber nur mit vereinten Kräften einen Platz bekommen, und die waren extrem begehrt… dachte eigentlich, dass das Ende September kein Problem mehr wäre. Ja, wir hatten dort drei sehr schöne Tage. Ich hoffe, ich komme irgendwann mal wieder dorthin – es lohnt sich!

      Hartmut

    • Vielen Dank, Ralf! Schön, dass dir der Artikel gefallen hat. Er erfüllte damals vor allem die Aufgabe eines Reisetagebuchs für die Lieben zuhause. Der Zion ist schon große klasse, und beim nächsten mal wollen wir da gerne noch ein paar Tage dranhängen.
      LG
      Hartmut

  2. Den Zion Nationalpark haben wir bei unserem Roadtrip im Südwesten leider nur auf der Durchfahrt zu sehen bekommen, die Zeit reichte nicht mehr. Schade, es scheint wirklich toll dort zu sein und die Wanderungen hätten uns sich Spaß gemacht.

    LG
    Gina

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