58GradNord - Sicher auf Natureis unterwegs
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Sicher auf Natureis unterwegs: Schlittschuhlaufen in Schweden

Da uns Frau Holle offensichtlich dieses Jahr hier oben im Norden vergessen hat, und der erhoffte Schnee nun schon seit Wochen ausgeblieben ist, bleibt uns nichts anderes übrig, als uns damit abzufinden und das Beste draus zu machen.
Das Beste und einzige, was uns im Moment ein bißchen Winterfeeling vermittelt, sind unsere zugefrorenen Seen, von denen es bei uns in der Umgebung einen Menge gibt. Und trotz der milden Temperaturen in den letzten zwei Wochen mit Plusgraden tagsüber, aber glücklicherweise oft noch Minusgraden in der Nacht, ist uns das Natureis größtenteils erhalten geblieben.

Auf Natureis zu fahren ist schon etwas besonderes und nicht zu vergleichen mit Kreisedrehen in einer Eishalle. Seit einigen Jahren sind wir immer wieder zusammen mit unseren Kindern auf den zugefrorenen Seen unterwegs. Seitdem sind wir ganz besonders vorsichtig und meiden lieber eine etwas unsichere  Eisfläche, als dass wir uns unnötigen Risiken aussetzen. Sicherheit geht immer vor.

58GradNord - Spiegelblankes Eis

Auf spiegelblankem Natureis fahren zu dürfen, ist schon ein wenig Risiko wert!

Schlittschuhlaufen auf Natureis: Sicherheit zuerst

Beim Schlittschuhfahren auf einer natürlichen Eisfläche muss man unserer Meinung nach immer zuerst an seine eigene Sicherheit denken. Wie immer, wenn man in der Natur unterwegs ist, sollte man an die möglichen Gefahren denken und auf eventuelle Probleme so weit wie möglich vorbereitet sein – passieren kann natürlich trotzdem immer etwas.
Auf der anderen Seite soll es ja vor allem Spaß machen, und man darf sich den vor lauter Angst auch nicht verderben lassen. Trotzdem ist es natürlich extra wichtig, wenn man mit Kindern unterwegs ist, dass man genau weiß, was man tut… oder zumindest nur ein kalkulierbares Risiko eingeht soweit das möglich ist. Und da am Ende immer noch ein gewisses Restrisiko besteht, sollte man so gut wie möglich vorbereitet sein.

Natureis ist faszinierend und meist sehr schön anzuschauen. Außerdem kann man so gut die Beschaffenheit und Tragfähigkeit beurteilen.

Be prepared!

Um so gut wie möglich vorbereitet zu sein, studieren wir vor jeder Tour die lokalen Nachrichten unseres örtlichen Schlittschuhklubs, bei dem wir schon seit Jahren vor allem aus diesem Grund Mitglied sind. Um dem Klub beitreten zu können, musste man an einem kleinen Sicherheitsträning teilnehmen und eine geführte Tour mitmachen, auf der man das ganze noch einmal praktisch vermittelt bekam. Das ist nun aber schon über 10 Jahre her. Seit dem fahren wir ab und zu mit Freunden oder eben oft alleine bzw. inzwischen mit den Kindern.
Unsere Kinder sind zum Glück ja mittlerweile so alt, dass sie auch verstehen können, was machbar ist und was nicht. Wir versuchen ihnen das auch immer häufiger näher zu bringen. Auf jeder Tour gibt es einen „Übungsmoment“. Ok, das klingt jetzt nach mehr, als es eigentlich ist. So viel muss man ja auch gar nicht wirklich können bzw kennen. Und vor allem soll es ja Spaß machen. Wir Erwachsene haben dann aber schon immer auch mal den Ernstfall vor Augen.

Bei großen Rissen, die teilweise quer über den ganzen See verlaufen können, sollte man immer vorsichtig sein.

Übung macht den Meister

Deshalb zeigen wir den Kids auch immer wieder die Gefahrenquellen auf, wie zum Beispiel das schwächere Eis an Stellen, an denen das Wasser sich mehr bewegt z.B. an Ein- und Ausflüssen oder irgendwelchen Verengungen mit höherer Strömungsgeschwindigkeit des Wassers. Auch kann man in der Regel unter Brücken oder hohen Bootsstegen damit rechnen, dass das Eis dünner wird oder sogar ganz weg ist. An größeren Rissen oder wo sich Eisplatten übereinander geschoben haben, sollte man extra vorsichtig sein. Da kann das Eis auch mal plötzlich komplett weggebrochen sein und man muss im schlimmsten Fall einen großen Schritt übers Wasser machen… oder wenn möglich am besten umfahren. Man sollte sich deshalb solchen Stellen immer langsam und vorsichtig nähern.
Oft fahren wir auf Seen, die wir gut kennen, aber wollen natürlich immer wieder auch mal neue Gegenden kennenlernen. Da bietet es sich an, vor und während der Fahrt eine gute Karte zu studieren, um eventuelle Schwachstellen schon vorher auszumachen.

Immer wieder das Eis zwischendurch prüfen ist ein Muss!

Mit Hilfe von sogenannten „ispikar“ prüfen wir das Eis immer wieder auf seine Dicke und Haltbarkeit. Außerdem ermöglichen es mir die Stäbe, mit meiner Frau Schritt zu halten, wenn sie mal wieder davondüst!! Denn was man nicht in den Beinen hat… ;-).

Wenn es dann mal zum Einbruch gekommen ist, gilt es vor allem schnellstmöglich wieder aufs tragende Eis zurückzukommen. Sprich: umdrehen und wieder dahin, wo man hergekommen ist, denn da hat einen das Eis ja gerade noch getragen. Das ist sicher leichter gesagt als getan, vor allem wenn man in voller Montur mit Schlittschuhen an den Füßen ins kalte Wasser gestürzt ist… Dann ist es auch gar nicht so einfach oder schlechthin unmöglich sich aufs Eis zu ziehen oder zu heben, da man auf der glatten Oberfläche ja keinen Halt bekommt. Dafür hat man die sogenannten „isdubbar“ (auf Deutsch heißen die wohl ‚Eisdorn‘), die wie große, dicke Nägel mit Griff aussehen, und die man griffbereit haben sollte (werden in der Regel um den Hals getragen). Die „isdubbar“ machen es überhaupt erst möglich sich hochzuziehen… einfach wird es trotzdem nicht.

Nagel + Griff = ‚isdubbar‘

58GradNord - isdubbar

Gar nicht so einfach, sich mit Hilfe von ‚isdubbar‘ auf dem Eis entlangzuziehen.

Man sollte deshalb auch nie alleine aufs Eis. Einen Helfer zu haben, der hoffentlich nicht auch mit eingebrochen ist (deshalb bei unsicheren Eisverhältnissen immer hintereinander und mit ein paar Metern Abstand zueinander fahren), ist in solchen Situationen Gold wert, wenn nicht sogar lebensrettend. Alle sollten mit einer Wurfleine ausgestattet sein, die man dann demjenigen im Wasser zuwerfen kann, um ihn herauszuziehen. Auch das ist nicht ganz so leicht, wie es sich anhört. Theoretisch soll man auch in einer Notlage selbst seine Wurfleine jemandem auf dem Eis zuwerfen können, weshalb der Beutel mit der Leine so verstaut werden muss, dass er relativ leicht zugänglich ist. Aber ich bezweifle, dass man das dann wirklich binbekommt.

58GradNord - Sicherheitsausrüstung Schlittschuhfahren

58GradNord - Wurfleine werfen!

Jetzt heißt es gut zielen, man hat im Prinzip nur einen Wurf!

Einen anderen Menschen aus dem Wasser zu ziehen ist nicht ganz so einfach. Vor allem auch deswegen, weil man auf dem Eis selber nicht so leicht Halt bekommt, was das ganze Unterfangen schwierig macht. Wir haben das unsere Kinder dieses Wochenende mal testen lassen… sie hatten ihre Mühe.

Zur weiteren Ausrüstung gehören dann noch entsprechende Kleidung inkl. Helm, einen Rucksack, der einem den Auftrieb im Wasser erleichtern soll, und in dem dann hoffentlich wasserdicht verpackt eine kompletter Ausstattung mit neuen Kleidern und Schuhen Platz gefunden hat. Eine Schwimmweste für Kinder bis zu einem bestimmten Alter ist unserer Meinung nach auch eine gute Idee.

Rucksack oder Schwimmweste sollten schon sein.

Eine Zusammenstellung über die wichtigsten Bestandteile einer Sicherheitsausrüstung fürs Schlittschuhfahren findet ihr in unserem Beitrag vom letzten Jahr.

Aber wie gesagt, der Spaß am Schlittschuhfahren ist natürlich das Wichtigste, auch wenn wir für den Notfall gerne vorbereitet sein wollen.
Wir hatten bisher in all den Jahren Glück (?) und sind immer wieder trocken nachhause gekommen. Eigentlich würde ich ja mal gerne den „richtigen Ernstfall“ proben. Dafür kann man bei uns jedes Jahr an einer sogenannten „plurrövning“ teilnehmen, bei der man unter kontrollierten Verhältnissen in voller Montur vom Eis in ein vorbereitetes Loch fährt… Danach geht es dann direkt in die eingeheizte Sauna vor Ort.
Vielleicht sollten wir uns das mal ernsthaft überlegen. Ich habe nur Angst, dass die Kinder danach erstmal nicht mehr aufs Eis wollen…

58GradNord - Trocken auf dem Weg nachhause!

Trocken auf dem Weg nachhause!

4 Kommentare

  1. Ein wirklich informativer Bericht und tolle Bilder…. ich weiß allerdings nicht, ob ich mich trotz aller Sicherheitsvorkehrungen da auf den See hinaus trauen würde. Aber vielleicht ist es gerade der Reiz, diese tolle Landschaft mit allen Sinnen zu er-leben…
    Weiterhin sichere und trockene Fahrt
    Liebe Grüsse Sabine

    • Vielen Dank, Sabine. Solange das Risiko kalkulierbar ist, macht es wirklich Spaß! Oft sind wir ja auf Seen unterwegs, wo man aufgrund der Dicke der Eisschichten wirklich keine Angst haben muss… im Moment war es eben schon ein wenig warm, so dass das Eis stellenweise nicht mehr ganz so tragfähig ist. Auf der anderen Seite ist das Naturerlebnis beim Schlittschuhfahren auf einer spiegelglatten Eisfläche eines großen Sees unbeschreiblich faszinierend. Du solltest es wirklich mal ausprobieren!
      LG
      Hartmut

  2. Ich bin noch nie in meinem Leben über einen zugefrorenen See gelaufen. Ist sicher toll, aber ich glaube ich hätte auch ganz schön die Hosen voll. Mit wird schon ganz anders wenn ich Euer Probetraining für den Ernstfall sehe. Und dieses plurrövning ist ja auch mal ne krasse Nummer. Auf so irre Sachen kommen auch nur die Skandinavier. Zu Hilfe! LG, Nadine

    • Also das mit der „plurrövning“ finde ich eigentlich ganz vernünftig. Und wenn ich nicht so erkältet gewesen wäre, hätte ich da heute mitgemacht. Muss aber nun wohl bis zur nächsten Saison warten.
      Für unser gemeinsames Schlittschuhlaufen im Kreise der Familie hoffe ich doch auch weiterhin, immer trockenen Fußes wieder nachhause kommen zu können. Aber wie sagt man so schön, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste! 😉
      LG
      Hartmut

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