58GradNord - Segeln am schwedischen Nationaltag
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Segeln am Nationaltag

 

Der Nationaltag der Schweden ist nicht Midsommer, auch wenn das oft den Anschein macht, da Midsommer abgesehen von Weihnachten DAS Familienhappening schlecht hin ist und wirklich groß gefeiert wird. Nein, seit 1983 feiert man hier am 6. Juni den Nationaltag zur Erinnerung an die Krönung Gustav Vasas am 6. Juni 1523, was wiederum die Auflösung der „Kalmarunion“ und die Loslösung von Dänemark mit sich zog. Dieses Datum markiert im Prinzip den Anfang eines selbständigen schwedischen Staates. Der Tag ist erst seit 2005 ein „richtiger“ Feiertag (sprich frei) und dementsprechend tun sich viele mit diesem Tag noch ein wenig schwer, und die richtige Feierstimmung will nicht wirklich aufkommen – ganz im Gegensatz zu Midsommer. Erinnert ein wenig an die Anfangsphase des 3. Oktobers in Deutschland.

Wir nutzten den Tag voriges Wochenende, um mit Freunden in den nahegelegenen Schären von Sankt Anna zu segeln. Schon lange geplant, hat es immer nicht geklappt. Mit dem Auto sind es ungefähr eineinhalb Stunden bis nach Sankt Anna bzw bis ans Ende von Norra Finnö, nach Tyrislöt. Dort endet (oder beginnt) die allgemeine Straße, wo wir mit unseren Freunden zum Segeln verabredet waren.

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Die Wettervorhersage hatte eigentlich ganz nettes Wetter vorausgesagt, aber darauf kann man sich ja in diesen Breitengraden nie so richtig verlassen. Der Wind hatte ziemlich zugenommen, und so wurde unsere Segelausflug zwischenzeitlich recht turbulent. Da wir seit langem schon nicht mehr beim Segeln waren (mal abgesehen vom Plattbodenschiff in Holland letzten Herbst), musste man sich erstmal wieder an die Schieflage gewöhnen. Meine Frau und die Kinder hatten natürlich mal wieder gar keine Probleme… mir war es doch anfänglich ein wenig schwummrig, aber ich gewöhnte mich nach einer Weile auch daran und wagte mich sogar auch mal ans Ruder – sonst doch eher eine Aufgabe für meine bessere Hälfte!

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Die Fahrt ging nach Harstena, eine Insel südöstlich von Norra Finnö und damit bereits im Schärengarten von Gryt, der südliche Teil der Schären in Östergötland. Dort waren wir Eltern schon früher einige Male, als wir noch ein eigenes kleines Segelboot hatten. Für unsere Kinder war es eine Premiere. Die Insel ist einige der wenigen Inseln in den südöstlichen Schären, die noch rund ums Jahr bewohnt ist, wenngleich man die Personen, die dort das ganze Jahr verbringen inzwischen an ein oder zwei Händen abzählen kann. Im Sommer ist hier natürlich viel mehr los, wenn die ganzen schwedischen sowie ausländischen Touristen hier tagsüber oder auch länger Halt machen. Im Norden der Insel gibt es einen fantastischen Naturhafen, für Segler optimal, kann aber auch gut per Kajak erreicht werden. Und zum Zelten gibt es dort unzählige Möglichkeiten.

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Im eigentlichen Ort auf Harstena gibt es eine Restaurant und auch eine kleine Bäckerei. Im Sommer kann man frisch geräucherten Aal und andere Köstlichkeiten dort kaufen. Nun Anfang Juni war es noch sehr ruhig, trotz (oder gerade aufgrund?) des Feiertages. Ein deutsches Segelboot hatte aber natürlich bereits seinen Weg hierher gefunden! Wir machten einen kleinen Spaziergang über die Insel und den idyllischen Ort, der wirklich aussieht wie aus einem Bilderbuch… Sohnemann blieb allerdings lieber am Boot zurück, um sein Angelglück zu versuchen.  Und die Tochter sammelte auf dem Weg einen Blumenstrauß für unsere Freunde. Trotz des etwas wechselhaften Wetters genossen wir diese schwedische Sommeridylle in vollen Zügen. An Tagen wie diesen, weiß man wieder, warum man hier ist.

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Nach einem leckeren Mittagessen auf dem Boot ging es dann wieder zurück nach Tyrislöt, wo wir ein ein paar Stunden nach unserem Aufbruch von dort bei heftigem Wind im recht ungeschützten Hafen wieder an Land gingen. Zum Abschluß gab es natürlich noch ein ‚fika‘, bevor meine Frau dann ihre Rückreise per Fahrrad antrat, da sie ja im Moment für die Vätternrunda dieses Wochenende trainiert. Die Kinder und ich verweilten noch eine Weile im Hafen und fuhren dann weiter nach Sanden, eine kleine Häuseransammlung ganz in der Nähe, wo ich viele Sommer in den 90er Jahren verbracht hat und wir auch die letzten Jahre zumindest einmal pro Sommer vorbei geschaut haben. Der kleine Laden hatte zum Glück noch offen, obwohl schon nach Ladenschluss, so dass wir zumindest noch zu einem Eis kamen, das wir dann auf dem Bootssteg in der Sonne verspeisten. Die Kinder versuchten dann auch noch etwas länger ihr Angelglück, aber für ein Abendessen reichte es bei weitem nicht!

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Auf dem Nachhauseweg holten wir irgendwann dann selbst unsere tapfere Bikerin ein, die schon seit ein paar Stunden gegen den kräftigen Gegenwind ankämpfte… sie war dann schnell überredet, die letzten Kilometer mit uns nachhause zu fahren…

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Wenn ihr mehr über Sankt Anna und die Gegend um Söderköping wissen wollt, schaut euch doch einfach unseren Schwedentipp #3 an.

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4 Kommentare

  1. Liebe aufeinanderstreich Familie, es ist schön, von euch zu lesen! Segeln waren wir bisher in Schweden leider noch nicht, jedoch haben wir zu verschiedenen Jahreszeiten die Landschaft und Kultur besonders im Norden und in Dalarna erkundet. Wir freuen uns mehr von euch und eurem Alltag in Schweden zu lesen. Gerade kehrten wir zurück von einem Lappland Roadtrip: http://www.nordicfamily.de/category/reiseziele/roadtrip-lappland/ einige Artikel folgen noch in den kommenden Tagen und Wochen. Herzliche Grüße von der nordicfamily

    • Liebe nordicfamily, wir haben schon öfter auf eurem Blog herumgeschaut und sowohl Bekanntes entdeckt als auch Anregungen bekommen für eigene Unternehmungen. Es ist sehr interessant zu lesen, wie der Norden auf jemanden wirkt, der hier nicht das ganze Jahr über lebt. Gerade in den letzten Tagen haben wir ein wenig in euren Blogbeiträgen über Norrland gestöbert. Es ist bereits viele Jahre her, dass wir in der Region Stora Sjöfallet waren, und dann zur Winterzeit. Freuen uns schon auf weitere Berichte von euch und vielleicht können wir euch ja das eine oder andere Ziel in Südschweden schmackhaft machen!

    • Det gick sådär, Ines… 300 km sind ganz schön lang… 🙂 Werden in den nächsten Tagen noch mindestens einen weiteren Bericht über Schweden hier in den Blog stellen (für die Sehnsucht und so…). LG aus einem regnerischen Schweden, Hartmut

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