58GradNord - Paddeln in Schweden
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Paddeln in Schweden – Schwedentipp #1

Wir haben uns gedacht, dass es vielleicht einmal an der Zeit wäre, ein paar Dinge aus unserer Wahlheimat Schweden vorzustellen. Es gibt hier ja einiges zu sehen und zu erleben, was vor allem im Sommer auch von der Großzahl ausländischer Touristen genutzt und geschätzt wird. 2013 verzeichnete man in Schweden übrigens 12.9 Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste, Tendenz seit vielen Jahren steigend. Der Großteil der ausländischen Besucher kam aus Norwegen, dicht gefolgt von… den Deutschen natürlich auf Platz 2 (Fakta om svensk turism, Tillväxtverket, Juni 2014). Und wir können das sehr gut verstehen, gibt es hier doch so vieles zu erleben und zu entecken, vor allem Natur in ihrer schönsten Form, wie man sie nicht mehr so oft und ungestört in Europa erleben kann.

Wir wollen uns deshalb an dieser Stelle mit einigen spezifischen Themen auseinandersetzen, und der Anfang macht ein Bericht zum Thema „Paddeln“, ein Sport, der sich natürlich nicht nur in Schweden großer Beliebtheit erfreut. Wir wollen hier auch eher über die genießerische, die naturnahe Seite des Paddelns berichten (haben wir auch mehr Erfahrung von, als von hochsportlichen Paddelleistungen).

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Es gibt in Schweden unzählige Paddelreviere, die meisten liegen im südlichen Teil Schwedens, aber auch die größeren Flüsse und Seen in nördlicheren Landesteilen sind meist befahrbar (Achtung Stromschnellen und Wasserkraftwerke). Dank des ‚allemansrättens‘ ist man in Schweden recht frei, was die Gestaltung von Paddelrouten anbelangt inkl. Übernachtungen in der Natur. Natürlich gibt es auch dabei einige Grundregeln zu beachten, aber auf das ‚allemansrätten‘ werden wir in einem späteren Beitrag eingehen – der Übersichtlichkeit halber.

Als ersten muss man sich mal die Frage stellen, ob man alles selber organisieren (klingt komplizierter als es ist) oder sich einer organisierten Gruppe anschließen möchte. Mit einer Google-Suche landet man bei einer Vielzahl von verschiedenen Anbietern, bei denen man schon in seinem Heimatland alles vorab buchen kann. Wir können da nichts und niemanden besonders empfehlen, da wir unsere Touren bisher immer „solo“ durchgeführt haben (einige wenige Kanuverleiher, die wir kennen findet ihr weiter unten).

Die nächste Entscheidung ist (See)Kajak oder Kanadier. Die Vorteile des letzteren liegen speziell wenn man mit (kleinen) Kindern unterwegs ist auf der Hand. Leichtes Ein- und Aussteigen, man sitzt im Boot wie man sonst in der Regel auch sitzt, nicht so eine große Eingewöhnungsphase, und in einem mittelgroßen Kanadier hat meist die ganze Familie + Ausrüstung Platz. Auf der anderen Seite eröffnen sich natürlich mit einem richtigen Seekajak ganz andere Möglichkeiten, vor allem wenn man die wunderbare schwedische Schärenlandschaft erkunden möchte. Ehrlich gesagt, würden wir uns mit einem Kanadier nicht auf die Ostsee wagen (ganz zu Schweigen von der kargen und ungeschützten Westküste mit ihren offenen Gewässern).

Kommt also wie immer darauf an… unsere unverbindliche Empfehlung lautet, mit kleineren Kinder ganz klar Kanadier in einem etwas ruhigeren Gewässer, wenn nur mit Erwachsenen unterwegs schon eher Seekajak, ein Muss bei allen Ausflügen oder gar Mehrtagestouren an der Küste. Aber auch für Binnengewässer eignen sich Seekajaks sehr. Mit größeren Kindern (so ab 10-12 Jahren) kann man natürlich auch im Kajak unterwegs sein (Stichwort Doppelkajak zum Beispiel), aber vielleicht doch noch in eher ruhigerem Gewässer, sprich Binnenseen.

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Unsere ersten gemeinsamen Paddelerfahrungen machten wir in Alu-Kanadiern in Rogenseegebiet in Härjedalen. Man musste erstmal 13 km übers Fjäll wandern, zu einer Stelle, wo die Mietkanadier lagen. Dann konnte man von dort aus durch ein Seensystem zum weiter nördlich gelegenen Rogen paddeln (und natürlich auch wieder zurück). Es gibt einige vorbereitete Lagerplätze mit Schutzhütten und Feuerstellen (Naturschutzgebiet), verschiedene Hilfseinrichtungen, um sein Kanu von einem See zum anderen zu transportieren, da nicht alle Verbindungen komplett durchpaddelt werden können. Und ab und zu darf man das Kanu auch tragen! Der Umstand, dass das Gebiet ein wenig schwerzugänglich ist (inklusive vielen Mücken im Juli) garantieren aber auf der anderen Seite ziemlich Einsamkeit, obwohl inzwischen mehrere dieses wunderschöne Gebiert entdeckt haben, als es noch Mitte der 90er der Fall war, als H zum ersten Mal mit einigen Freunden dort unterwegs war.

[Update August 2015] Für völlig ungeübte Paddler, vor allem mit Kind, ist das Rogen-Femundgebiet vielleicht nicht unbedingt die erste Wahl. Das Wetter kann sich schnell ändern, und die Seen können bei entsprechend schlechtem Wetter paddelmäßig eine Herausforderung darstellen. Diesen Sommer verunglückten zwei dänische Männer und der sechsjährige Sohn des einen Mannes tödlich beim Paddeln im Rogen. Ihr Kanadier war wohl auf dem Rogen gekentert und trotz Schwimmwesten waren alle drei ertrunken… das Wasser ist auch im Sommer sehr kalt, ein längerer (ungeplanter) Aufenthalt im Wasser kann lebensgefährlich sein. Also, bitte aufgepasst, solltet ihr euch für eine Reise dorthin entscheiden.

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Schöne Naturerlebnisse kann man in Schweden aber auch leichter haben. Das Kanu-Mekka Schwedens ist wohl immer noch Dalsland, die Gegend westlich vom Vänern. Man findet hier eine Unzahl an Kanuverleihern sowie Paddelmöglichkeiten auf  Seen, Flüssen und Kanälen. Diese Gegend ist extrem gut auf (ausländische) Touristen eingestellt, und hier findet man auch einfach etwas für Familien mit Kinder, alles von Tagesausflügen bis zu Wochentouren, organisiert oder auf „eigene Faust“. Die Gegend um Årjäng und Lennartsfors mit den Seen Foxen, Lelång und Stora Le können wir aus eigenen Erfahrungen empfehlen. Hier verläuft auch der Dalslandskanal, der hauptsächlich aus unterschiedlichen kleineren und größeren Seen besteht, die teilweise durch natürliche, teilweise von Menschenhand gegrabene Kanäle miteinander verbunden sind. Das gesamte Seensystem umfasst ca. 250 Paddelkilometer und erstreckt sich vom Vänern im Osten bis nach Norwegen im Westen. Die Gegend bietet ein sehr abwechslungsreiches Paddeln von größeren Wasserflächen bis ganz kleine Rinnsale, Kanäle und viele Schleusen!!

Es gibt ja einige Kanäle in Schweden, die meisten gut mit Kanu zu befahren, so z.B. auch der berühmte Götakanal, der einmal quer durch ganz Schweden führt, auf dem man sich aber im Sommer mit allen möglichen anderen großen wir kleinen Booten drängeln muss. Da empfehlen wir doch lieber kleinere Kanäle wie z.B. den bereits erwähnten Dalslandskanal oder den Kindakanal südlich unseres Wohnortes Linköping.

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Das ganz große Highlight für Paddler ist aber unserer Meinung nach immer noch der Schärengarten. Persönlich kennen wir vor allem die Südostküste sehr gut. Unsere ersten Erfahrungen im Seekajak sammelten wir 1999 in den Stockholmer Schären. In den Jahren danach haben wir dann in eigenen Seekajaks vor allem die Schärengegend von Sankt Anna erkundet, von der wir ohne Übertreibung sagen können, dass sie zu den schönste Paddelgebieten Schwedens gehört. Hier ist es selbst im Hochsommer nicht so bevölkert wie z.B. um Stockholm herum. Hat man die Möglichkeit, hier im späten Frühjahr oder späten Sommer (Ende August/Anfang September) zu paddeln, ist es doch recht einsam. Zeltplätze gibt es zu Genüge und auch gute Möglichkeiten um Kajaks zu mieten (siehe unten unter Tipps).

Unsere persönlichen Empfehlungen:

Binnenseen:

  • Kanalsysteme, vor allem Dalslandskanal und Kindakanal (HIER findet ihr verschiedene Kanuverleiher im Kindakanal)
  • Rogen-/Femundgebiet (südwestlichesliches Härjedalen/Norwegen): zwei mögliche Zugänge
    • südlich: entweder über die Fjällstation Grövelsjön der schwedischen Jugenherbergsorganisation STF, die mit dem Auto oder per Zug+Bus erreicht werden kann; die Station verfügt über 5 im voraus buchbare Aluminiumkanadier, die man nach einem 13 km Fußmarsch entlang der südlichst gelegenen Etappe des Kungsleden am See Hävlingen erreicht (Schlüssel gibt’s von der Rezeption), von dort paddelt man dann über Klacken, Nedre und Övre Grötsjön, Stor-Våndsjön und Lasön zum Bredåsjön (sehr schön dort an der Schutzhütte auf der Höhe) weiter letztendlich zum großen Rogen; Preise (Stand Mai 2015) pro Kanu von 258 kr für einen Tag bis 855 kr für 5-7 Tage
    • nördlich: über einen privaten Anbieter und Transport via Funäsdalen zum See Kärringsjön, von wo aus man direkt in den großen Rogen gelangt und dann entweder nach Nordosten Richtung Norwegen paddelt oder die oben genannte Tour umgekehrt gen Süden
    • an der STF Fjällhütte Rogen kann man auch 2 Kanadier mieten, allerdings können diese Boote nicht vorbestellt werden; ist vielleicht eher was für Wanderer, die dort auf dem Kungsleden unterwegs sind und spontan ein wenig paddeln wollen
  • Anjan Fjällstation; liegt im Säckerfjällens Naturschutzgebiet nordwestlich von Östersund in Jämtland an der Landstraße 336 zwischen Kall und der norwegischen Grenze; hier paddelte H Mitte der 90er mit ein paar Freunden von einem Fjällsee zum anderen; garantiert einsame Gegend, wenn man von unzähligen Mücken usw absieht; eher Hardcorepaddeln mit viel Tragen und begrenzten Wasserwegen – etwas für die ganz hartgesottenen Naturmenschen (laut den Kommentaren in einem schwedischen Blogeintrag scheint die Station zumindest letztes Jahr noch voll in Betrieb gewesen zu sein); verleiht Kanus vor Ort
  • Tisnare-Kanal (ziemlich unbekannt, selbst unter schwedischen Paddlern): liegt an der Grenzen zwischen Sörmland und Östergötland und verbindet die Seen FjälarenTisnaren och Tislången. Garantiert ruhiges und recht einsames Paddeln mit einigen wenigen Umtragestellen. Bei Interesse können wir euch Einstiegsstellen nennen; hier kennen wir leider keine Verleihmöglichkeiten
  • [Update Oktober 2015] Im sörmländischen Inland gibt es so manchen schönen See oder Kanal zum gemütlichen Paddeln, weshalb diese Gegend auch einen eigenen Blogeintrag verdient hatte

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Ostküste:

  • Stendörren Nationalpark: ein Paddelparadies in Sörmland südlich von Stockholm; hier trifft man viele andere Paddler, aber das tut der Schönheit dieser Landschaft mit ihren vielen kleinen Inselchen keine Abbruch; ein absoluter Favorit und leicht erreichbar westlich von der E4 gelegen, Abfahrt in Vagnhärad oder Tystberga und weiter auf der Landstraße 219 der Beschilderung folgend mit Abfahrt Richtung „Studsvik, Stendörren“ kommt man am Ende zum Naturum Stendörren; einige hundert Meter davor gibt es Park- und extra Einstiegsmöglichkeiten für Paddler; wer nicht auf irgendeiner Insel im Zelt übernachten möchte, kann von hier aus leicht Tagestouren durchführen und zum Beispiel im STF Vandrarhem Horsvik übernachten (liegt direkt neben Schwedens einzigem Versuchs- und Forschungsreaktor Studsvik) – ein Erlebnis für sich!
  • Sankt Anna und Gryts Skärgård: Start der Tour zum Beispiel auf Norra Finnö in Tyreslöt (erreichbar auf der Landstraße 210 von Söderköping/E22 aus), von wo aus man schnell in den Schären ist; Parkmöglichkeiten und Kajakverleih:
    • S:t Annas Skärgårds Kajakuthyrning; hier haben wir schon selbst vor vielen Jahren Kajaks gemietet und Auto geparkt (gegen geringe Gebühr); empfehlenswert, da vor allem nah zu den äußeren Schären
    • Kajakparadiset; ein neuerer Anbieter, auch auf dem Weg nach Tyreslöt; haben wir selbst noch nicht getestet, macht aber einen guten Eindruck

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Das sind natürlich nur wenige Beispiele der unzähligen Möglichkeiten in Schweden. Solltet ihr Lust aufs Paddeln in Schweden bekommen haben und eventuell Hilfe bei der Übersetzung schwedischer Internetseiten von Paddelveranstaltern oder -verleihern braucht oder einfach nur ein paar weitere Fragen haben, dann meldet euch bei uns – wir helfen gerne.

4 Kommentare

  1. Hallo Hartmut,

    einen sehr schönen Blog hast du hier! Die Bilder sind klasse und wir haben uns schon einige Tipps für unsere Schweden-Tour im September mitgenommen :-). Wir werden in einer großen Gruppe fahren und werden ganz weit oben im Norden von Schweden sein.

    Liebe Grüße aus Köln

    • Hej Gustav, da können wir dir nur Recht geben – guter Tipp. Uns persönlich ist da zwar in der Hauptsaison ein wenig zu viel los, aber das verläuft sich in Schweden ja doch immer irgendwie.
      LG
      Hartmut

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