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Michel von Lönneberga und der älteste Baum Schwedens – eine herbstliche Erkundungstour in Småland

Wer kennt ihn nicht, den Michel aus Lönneberga oder Emil i Lönneberga wie er ja im Original auf Schwedisch heißt? Die Schweden begegnen dieser Namensänderung mit genauso viel Unverständnis wie dem deutschen Bestreben, alle Filme ins Deutsche zu übersetzen. Da helfen auch alle Erklärungen nichts, dass Erich Kästners Emil schon gute 30 Jahre zuvor das Licht der Welt erblickte. Und irgendwie haben sie ja auch recht.

Wenn man Emil und die anderen Figuren aus Astrid Lindgrens Geschichten in Schweden erleben möchte, kann man den kleinen Vergnügungspark Astrid Lindgrens Värld in der Nähe von Vimmerby in Småland besuchen. Dies tun im Sommer auch viele ausländische Gäste, nicht wenige kommen aus Deutschland. Etwas unbekannter, aber nicht weit von Vimmerby entfernt liegt Katthult, der Originalschauplatz, an dem die Filme der 70er Jahre gedreht wurden. Dort geht es meist etwas beschaulicher zu…

EngerWeg

Småländische „Straßen“!

Da wir die letzten Tage ohne B auskommen mussten, die geschäftlich in Norwegen unterwegs war, nutzten wir den gestrigen sonnigen Herbsttag für einen Ausflug nach Katthult, wo die Kinder noch nie  zuvor gewesen waren. Die Nachbarskinder waren auch mit von der Partie. Der Weg nach Katthult führt abhängig davon aus welcher Richtung man kommt, teilweise über sehr kleine Straßen, die selten asphaltiert sind. Ab und an wird einem der Weg von einem Gatter versperrt, das dann wie zu Emils Zeiten geöffnet und geschlossen werden muss, bevor man die Fahrt fortsetzen kann. Wer kleine småländische Weg liebt, für den ist allein schon die Fahrt nach und von Katthult ein kleines Erlebnis. Vorbei geht es an einfachen Bauernhöfen, auf denen der eine und andere richtig alte Volvo im Vorgarten steht, vorbei an Weiden mit Pferden und Kühen und vor allem immer wieder durch den småländischen Wald. Man muss gut aufpassen, wohin man fährt, sonst kann es einem wie uns gestern passieren, dass man im Kreis fährt und plötzlich wieder da ankommt, wo man erst kurz zuvor noch gewesen war! Das erste Schild mit der Aufschrift Katthult sahen wir erst bei der Einfahrt auf den Parkplatz!

Gatter

Diese Durchfahrt war zum Glück umsonst…

KatthultSchild

In Katthult selbst ist es um diese Jahreszeit sehr, sehr ruhig. Die eigentliche Saison, in der man u a die verschiedenen Gebäude besichtigen kann, geht nur von Mitte Juni bist Mitte August (Midsommer geschlossen!). Dann gibt es auch einen kleinen Cafébetrieb. Gestern war natürlich alles geschlossen, trotzdem konnte man die spezielle Atmosphäre dieses Ortes spüren und Kindheitserinnerungen wurden wieder wach. Es ist schon nett, vor Emils Wohnhaus zu stehen mit der Fahnenstange, an der er seine Schwester Ida hochgezogen hat, und natürlich sein Schuppen mit den vielen geschnitzten Holzfiguren, die man zumindest durchs Fenster bestaunen konnte. Wir genossen es, fast die gesamte Zeit alleine auf dem Hof zu sein und machten es uns im Garten in der Sonne gemütlich, um unser mitgebrachtes Mittagessen zu verspeisen. Und obwohl es totale Nebensaison war trafen wir natürlich auf ein paar deutsche Besucher 🙂

KatthultEmilsHaus

ManggardsbyggnadSchild

Der Hof ist bereits seit 1898 im Besitz der selben Familie und gehört zu vier Bauernhöfen im Dorf Gibberyd. Als man Anfang der 70er Jahre die Dreharbeiten zu den Emilfilmen plante, wurde man in Gibberyd fündig. Laut der Information auf Katthults Internetseite waren alle von Astrid Lindgren in den Erzählungen beschriebenen Gebäude bis auf Emils Schuppen bereits vorhanden, der für die Dreharbeiten noch errichtet werden musste. Und dass der Hof so sehr abseits aller großen Wege lag, war vermutlich nur ein Vorteil für die Dreharbeiten. In der Hauptsaison zahlt man 40 kr für Erwachsene und 20 kr für Kinder ab 6 Jahre. Jetzt in der Nebensaison gelten 20 kr für Erwachsene (ab 15 Jahre), der sogenannte grindslant, also ein kleiner Obolus, um das Tor passieren zu dürfen, den man in eine kleine „Dose“ einwirft (Stand September 2015).

DSCF7135

Hier bezahlt man den ‚grindslant‘ – in bar!

EmilsSchuppen

Hier hat Emil/Michel oft gesessen und Holzfiguren geschnitzt.

TrissebodaSchild

Wer nach dem Besuch in Katthult noch ein wenig Zeit hat, dem empfehlen wir u a einen Besuch im nahegelegenen Nationalpark Norra Kvill, ein Stück unberührte Natur. Hier haben die Menschen schon seit eineinhalb Jahrhunderten die Natur sich selbst überlassen, was diese Gegend zu einem märchenhaften und wilden Stück Wald hat werden lassen, wo man die Trolle hinter jedem Baum vermutet… Es gibt im Nationalpark wenige Wege, im Prinzip nur eine kleine und eine größere Rundtour, die um die Seen Lilla und Stora Idgölen herumführen. Da hier der Mensch wie gesagt, so wenig Einfluss wie nur möglich nimmt, sind die Wege oft von herabfallenden Bäumen und Ästen versperrt. Auch empfiehlt sich festes Schuhwerk, und es kann manchmal auch recht feucht werden, da einige Teile der Nationalparks Sumpfgebiet sind. Wir kamen dort gestern erst recht spät an, weshalb wir nicht mehr den ganzen Nationalpark erkunden konnten, obwohl er nicht besonders groß ist, wird es aber doch inzwischen relativ früh dunkel und man nicht gerne bei völliger Dunkelheit durch den Wald irren möchte.

NPschild

Wald

BaumeAufWeg
Holzweg1

See2

LamWasser

See4

Davor hatten wir nämlich noch dem ältesten Baum Schwedens, Kvilleken, einer ca 1000 Jahre alten Eiche, einen Besuch abgestattet. Der Weg dorthin führte auch teilweise über kleine Schotterstraßen, aber ein Besuch lohnt sich unserer Meinung nach auf jeden Fall. Ok, die Eiche kann nicht mit den nordamerikanischen Redwoods oder den riesigen Sequoiabäumen sowie den Kauris in Neuseeland mithalten. Aber auf der anderen Seite sind die auch zigtausende Kilometer entfernt, und von der Kvilleiche trennen uns nur gute hundert Kilometer bzw knappe 20 Minuten Autofahrt von Katthult aus. Und schön war es dort allemal – und viel ruhiger. Anfänglich saßen noch ein paar Schweden beim nachmittäglichen fika in der Sonne vor dem Baum, aber nach einer Weile waren wir auch dort ganz alleine, als wir dann auch unsere bullar auspackten und sie in der immer noch wärmenden Sonne verspeisten. Der Stamm hat in Brusthöhe einen Umfang von ungefähr 13 Metern und muss schon teilweise von Stahlseilen zusammengehalten werden, damit er nicht auseinander fällt, macht aber dennoch einen stabilen und vor allem stattlichen Eindruck.

KvillekenSchild

Eiche

Die 1000 Jahre alte Eiche.

KinderImBaum

Eine um viele Jahre jüngere Cousine der ‚Kvilleken‘, auf der man klettern darf.

Zum Nationalpark Norra Kvill ist es dann nicht mehr weit, ungefähr 15-20 Minuten über Schotterstraßen durch den Wald, wenn man nicht wie wir noch eine weitere Pause macht, da die Kinder plötzlich vom Auto aus Unmengen an Blau- und Preiselbeeren entdeckten und unbedingt anhalten wollten, um sowohl die inzwischen leeren Brotdosen als auch ihre Bäuche zu füllen! Aber wir hatten es ja nicht wirklich eilig, weshalb wir natürlich die Gunst der Stunde nutzten.

BeerenSammeln

Beeren

Einen Ausflug in die småländischen Wälder um Vimmerby herum können wir wirklich empfehlen. Die Natur ist hier vielleicht nicht extrem spektakulär, aber dafür im Vergleich zu Deutschland zumeist intakt und ursprünglich, und es ist einfach sein eigenes ganz spezielles Fleckchen unberührte Natur zu entdecken.

4 Kommentare

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  2. Marc

    Ich habe heute tatsächlich angefangen etwas über Schweden zu recherchieren!
    Den Astrid Lindgren Park hatte ich auf dem Schrim, aber wenn es auch den original Schauplatz, den kaum einer kennt, gibt, ist mir das auch ganz recht.
    Meine erste Erkenntnis heute ist auf jeden Fall, dass Schweden eigentlich total nah ist 🙂

    Viele Grüße,
    Marc

  3. Nachdem ich die Bilder gesehen habe, packt mich wieder dieses Schwedenfernweh. Vielleicht kann ich meine Familie für die Herbstferien überreden. In der Astrid Lindgrens Värld waren wir schon zweimal, aber nicht im Originalkatthult, das sind einfach Klasse aus. LG Ines

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