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Rubjerg Knude – ein dänischer Leuchtturm auf Abwegen

Leuchttürme haben etwas sehr faszinierendes. Obwohl viele von ihnen bereits erloschen sind, haben sie nichts von ihrer Faszination eingebüßt finden wir. Zum einen stehen sie oft an besonderen, in der Regel sehr schönen Plätzen, zum anderen gibt es meist eine spannende Geschichte über ihre Entstehung oder die Menschen, die dort einmal gelebt haben. Ein ganz besonderer Vertreter ist der „Rubjerg Knude-Leuchtturm“, der am soggenanten ‚vesterhavet‘ in den Dünen Norddänemarks steht. Schon bei unseren früheren Besuchen hier oben in Nord-Jütland haben wir diesem ehrwürdigen Leuchtturm immer einen Besuch abgestattet.

Und so kam es, dass wir auch gestern am Ostermontag zusammen mit vielen anderen meist deutschen Touristen, aber auch vielen Einheimischen, einen Osterspaziergang zum Leuchtturm machten.
Als wir das erste mal vor fünf Jahren hier im November gewesen waren, war der Parkplatz im Prinzip menschenleer. Das sah gestern schon ein wenig anders aus. 

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Vom Parkplatz führt ein direkter Weg zum Leuchtturm. Es dauert nur ungefähr eine gute Viertelstunde, um dorthin zu gelangen. Wir bogen jedoch an der Düne erstmal nach Süden ab, um den Menschenmassen (na ja, so schlimm war es auch nicht) zu entgehen und wanderten an der Rückseite der Düne entlang bis zu einer Stelle, wo eine steile Schneise nach unten zum Meer führte. Der Weg hinunter im weichen Sand ging eigentlich sehr leicht, wohingegen der Aufstieg zumindest für die ältere Hälfte der 58GradNord-Familie recht anstrengend war… man wird halt nicht jünger. Gelohnt hat es sich doch allemal und Sohnemann musste natürlich auch gleich zumindest die Füße im kalten Nordseewasser baden.

Kleine Völkerwanderung zu Rubjerg Knude

Erstmal weg von den Massen…

… und runter ans Meer.

Nach dem „Baden“ muss sich erstmal wieder warm gelaufen werden…

Rubjerg Knude – schöne Aussicht von oben

Nach dem Aufstieg ging es dann über die Dünenkante Richtung Leuchtturm. Schon auf dem Weg vom Parkplatz hatten wir bemerkt, dass auf dem Leuchtturm Personen standen. Bei unseren letzten Besuchen konnte man nicht auf den halb verfallenden Leuchtturm steigen. In der Zwischenzeit hatte man zu unserer großen Freude offensichtlich eine neue Treppe in den alten Leuchtturm eingebaut! Nun waren wir natürlich sehr gespannt auf die Aussicht von oben.

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Der Leuchtturm wurde in den Jahren 1899-1900 erbaut und steht oberhalb des Lønstrup Kliffs (Dänisch: Klint) ca 60 Meter über dem Meeresspiegel auf einer Düne, der Rubjerg Knude (Knude = Erhebung). Schon nach einigen Jahren begannen doch die Probleme, da man den Leuchtturm auf einer Wanderdüne gebaut hatte, die durch Sandverwehungen immer höher wurde. Zum einen sah man den Leuchtturm am Ende nicht mehr vom Meer aus und er hatte somit seine Funktion eingebüßt. Zum anderen zerstörte der Sand nach und nach wichtige Teile der Anlage, unter anderem die unterschiedlichen Gebäude am Fuße des Leuchtturms. Der Betrieb wurde deshalb im August 1968 eingestellt.

Man rechnet wohl damit, dass der Leuchtturm aufgrund der Sandbewegungen Anfang der 2020er irgendwann ins Meer stürzen wird. Trotzdem hat man noch einmal eine große Summe investiert, um den Leuchtturm für einige Jahre für seine Besucher zugänglich zu machen – eine tolle Sache, wie wir meinen. Und die Treppenkonstruktion im Inneren des Leuchtturmes sowie das große Kaleidoskop in der Turmspitze hielt auch dem kritischen Architektenblick meiner lieben Frau stand. Die Aussicht von oben waren die Mühen des Treppensteigens auf jeden Fall wert, trotz des sehr starken Windes, der hier über die Düne wehte.

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Neue Turmtreppe

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Gegen den sehr starken Wind hatten wir schon auf dem Weg zur Düne zu kämpfen gehabt… es blies so heftig, dass man sich gegen den Wind lehnen konnte ohne umzufallen! Das war eine großer Spaß für die ganze Familie! Wir mussten nur aufpassen, dass es unsere Kleinste nicht über die Kante blies… einen Drachen steigen lassen wie bei unserem letzten Besuch hier vor knapp vier Jahren hätten wir uns doch diesmal nicht getraut.

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Und er fällt nicht um…

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Es stimmt uns irgendwie traurig, dass es den Leuchtturm in ein paar Jahren vielleicht wirklich nicht mehr geben wird, im besten Falle nur noch in Teilen unten in der Brandung zu sehen sein wird. Auf der anderen Seite weiß ja nun keiner so richtig, wie lange das noch dauern wird. Vielleicht bleibt er uns ja länger erhalten als erwartet. Wie auch immer sollte man die Gunst der Stunde nutzen und diesem ganz besonderen Platz einen Besuch abstatten, solange es den Leuchtturm noch gibt. Wir haben jedenfalls vor, noch mindestens ein viertes mal hierher zu kommen bevor der Turm in den Fluten des ‚vesterhavet‘ verschwindet…

Über die Jahre haben wir Rubjerg Knude immer wieder anders erlebt...

Über die Jahre haben wir Rubjerg Knude immer wieder anders erlebt…

Wer noch mehr über die Geschichte der Leuchtturms auf Rubjerg Knude lesen möchte:

4 Kommentare

  1. Pingback: Dänemark mit Kindern: Ideen für den Familienurlaub an der Nordsee - BerlinFreckles

  2. Marc

    Krass, ich hab erst vor ein paar Tagen in der Zeitung von dem Leuchtturm gelesen. Da stand auch, dass er wieder offen ist.
    Ich dachte natürlich sofort: „Da musst du hin!“ 🙂
    Sehr cool, dass ihr das für mich übernommen habt! 🙂

    Viele Grüße aus Sachsen-Anhalt,
    Marc

    • Echt jetzt? Das reicht dir? Nein, da „musst“ du schon noch einmal selbst vorbeifahren, noch hast du ja ein paar Jahre Zeit. Wir waren heute Abend nochmal da, bei strahlend blauem Himmel, Sonnenuntergang und Sandsturm… tolle Atmosphäre – demnächst ein paar mehr Bilder auf fb.

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