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Up, up and away… – von unserem ersten Hubschrauberflug

Hubschrauberfliegen wollten wir schon immer mal – aber war uns meist zu teuer. Vor gut 8 Monaten, als wir mal wieder in unserem geliebten Kärnten Urlaub machten, kamen wir zu unserem ersten Hubschrauberflug über den Alpen – doch leider etwas anders als geplant…

Die Großeltern waren überraschend zu uns auf den Bauernhof gekommen, was wir Eltern gleich schamlos ausnutzten, um eine kleine Bergtour ohne Kinder machen zu können. Mit der Bergbahn ging es erstmal rauf auf gute 1900 m, und von da aus erst wieder ein paar Höhenmeter runter bevor wir dann den Anstieg zum nächsten Gipfel auf gute 2000 m angingen. Letzten Winter hatte es extrem viel geschneit, weshalb es diesen Sommer noch viel Schnee in den oberen Lage gab. Unterhalb des Gipfels versperrte uns ein kleineres Schneefeld den Weg, und die Wanderer vor uns drehten wieder um. Wir aber fanden einen begehbaren Weg hinter dem Schneefeld an der aufsteigenden Felswand entlang und konnten dann nach einer kleinen Klettereinlage am Ende des Schneefeldes geruhsam über Bergwiesen unseren Weg zum Gipfel fortsetzten.

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Oben angekommen genossen wir das Wetter und die Aussicht nach Österreich und Italien hinein – einfach herrlich! Wir trafen dort oben auch einige andere Wanderer, die von einer anderen Seite aufgestiegen waren, unter anderem zwei Rentnerpärchen aus Österreich. Die versicherten uns, dass der Abstieg über einen anderen Weg gut möglich wäre… „ein wenig freies Klettern an manchen Stellen, aber keine weiteren Schneefelder“. Das bestärkte uns natürlich, nicht wieder den gleichen Weg zurückgehen zu müssen – ist ja auch sooo langweilig.

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So ging es also über einen anderen, doch recht steilen Weg wieder nach unten. H kam das ganze ja recht spanisch vor, wurde aber von B darin bestärkt, dass dies doch der Weg sein musste, den die Rentner nach oben gekommen waren… so kämpften wir uns also über steinige und steile kleine Pfade (?) und viel Geröll nach unten dem Tal entgegen.

Um die Sache kurz zu machen, so stießen wir auf zwei kleinere Schneefelder, die uns zu Umwegen zwangen, die für nicht ganz Schwindelfreie (so wie H!!) schon eine Herausforderungen waren, ganz zu schweigen von den großen Fels- und Geröllplatten, die sich gegeneinander bewegten… Einige hundert Meter vor dem Tal ging dan plötzlich GAR NICHTS mehr! Ein riesiges Schnee- und  Eisfeld schnitt uns den Weg ab. Alle Versuche drumherum zu kommen scheiterten an den hohen Felswänden, drunter durch (sah am oberen Ende wie ne Eishöhle aus) trauten wir uns nicht und drüber wäre extrem gefährlich gewesen ohne Steigeisen (ca 45 Grad Neigung, völlig vereist)… nun war guter Rat teuer. Den ganzen Aufstieg nochmal machen und dann wieder über den Gipfel nach unten erschien uns auch gewagt, waren wir doch recht erschöpft.

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Also was tun? Zum Glück gab es Handyempfang, weshalb wir dann erstmal die 112 wählten, um uns mit den österreichischen Bergrettern zu beraten. Tja, die fackelten nicht lange, „wir schicken euch nen Helikopter…“ … „… äh, muss das wirklich sein…?“ (€€€€ dachte H nur… uns ging es ja gut, keiner war verletzt, waren nur müde und wollten uns nicht der Gefahr eines Absturzes aussetzen)… „ja, das geht am schnellsten…“ meinten die nur am anderen Ende! Wir gaben unsere GPS-Position durch (wozu so ein modernes Smartphone nicht alles gut ist). Dann stellte sich heraus, dass wir uns gerade noch auf italienischer Seite befand, so dass die Österreicher sich erstmal mit ihren italienischen Kollegen beraten mussten. Ein paar mal gingen noch einige Anrufe hin uns her, und ca eine Stunde nach unserem ersten Anruf hörten wir bereits einen sich nähernden Hubschrauber, der uns nach kurzem Suchen fand (wir hatten inzwischen den orangenen Rucksackregenschutz ausgepackt, um auf uns aufmerksam zu machen).

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Da wir in einer Felsspalte heruntergeklettert waren und es weit und breit keinen geeigneten Landeplatz gab, seilte sich einer der Hubschrauberbesatzung zu uns hinunter. B war als erste dran, sich bei dem freundlichen Italiener einzuklinken, um dann vorsichtig vom Fels gehoben zu werden. Der Hubschrauber musste erstmal vorsichtig einige hundert Meter vom Berg wegfliegen bevor wir nach oben gezogen werden konnten. Ein Einsteigen in den Hubschrauber war dann aber trotzdem nicht angesagt, nein, wir wurden außen am Hubschrauber hängend nach unten ins nächste Tal geflogen – einer nach dem anderen! Unten angekommen waren wir natürlich erleichtert. Und da wir ja genau da hinwollten, dachten wir eigentlich von da aus unseren geplanten Weg zu Ende zu gehen, aber da hatten wir die Rechnung ohne die italienischen Bergretter gemacht, die darauf bestanden, uns zu unserem Auto auf der anderen Seite der Grenze zu bringen! Dafür hatten sie eigens noch drei Jungs von der Bergrettung zum Hubschrauberlandeplatz bestellt, die uns mit ihrem Bulli über die Serpentinen erst bis zum Pass brachten, wo auch noch die Polizei unsere Personalien aufnahm. Und danach ging es in rasender Fahrt auf der österreichischen Seite wieder nach unten… diese Autofahrt war mindestens so gefährlich wie der gesamte restliche Ausflug des Tages, und wir waren beide froh, wieder heil und gesund neben unserem Wagen zu stehen. Der Flug mit dem Helikopter über diese wunderschöne Berglandschaft war ja schon irgendwie auch toll und beeindruckend gewesen – möchten aber zu keinen Preis sowas nochmal erleben müssen… Und apropos Preis, die von uns befürchtete große Rechnung ist bis heute aus geblieben – und wir hoffen natürlich, dass das auch weiterhin so bleiben wird.

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Fazit:

  • man sollte seine Fähigkeiten nie überschätzen, aber manchmal ist es eben schwer, alles vorauszusehen
  • gute Ausrüstung ist das A und O: wir hatten ausreichend warme Kleider und gutes Schuhwerk dabei, obwohl es ein wunderschöner Tag war, und das war auch gut so, da es beim Warten auf den Hubschrauber durch das riesige Eisfeld empfindlich kalt wurde, so dass wir am Ende alle unsere mitgebrachten Klamotten angezogen hatten – uns fehlten nur die Steigeisen, dann hätten wir auch das ca 30-40 m breite Eisfeld überqueren können
  • es ist von Vorteil, wenn man ein funktionierendes Handy dabei und Netzempfang hat 🙂
  • wenn man den ersten Fehler gemacht hat, sollte man zumindest keine weiteren Fehler machen (wir haben uns schon ein wenig geschämt, dass wir eine solche Rettungsaktion verursacht haben, aber die fünfköpfige (?) Besatzung  des Rettungshubschraubers hat uns auch versichert, dass es besser war, anzurufen BEVOR vielleicht ein Unfall passiert wäre)
  • man sollte eine gute Versicherung für den Notfall haben: unsere Versicherung zuhause hat uns hinterher bestätigt, dass sie die Kosten übernehmen werden wird, obwohl wir nicht verletzt waren und es somit streng genommen (noch) kein medizinischer Notfall war; es gibt aber auch entsprechende Versicherungen wie z.B. die des österreichischen oder deutschen Alpenvereins (letzterer bietet sogar ne Expeditionsversicherung für ganz Hartgesottene an!,  hier wird wohl zwischen Rettung und Bergung unterschieden, wobei eine Bergrettung in Deutschland in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird; in einschlägigen schwedischen Internetforen kann man doch immer wieder von Leuten lesen, die sich beim Wandern in Schweden verletzt haben und nicht mehr weiterwandern konnten und dann von der Bergrettung (fjällräddning) auf private Hubschrauberdienste verwiesen worden sind, wenn keine Gefahr für Leib und Leben bestand und die Hubschrauber im Prinzip neben dem Patienten landen konnten – und das kann ganz schön teuer werden

Für die Zukunft werden wir zumindest versuchen, ein wenig vorsichtiger zu sein. Und wir werden uns vermutlich doch noch eine zusätzliche Versicherung zulegen, um ganz auf Nummer sicher zu gehen.

Wir waren an jenem Tag froh, dass die Kinder nicht mit dabei gewesen waren, auf der anderen Seite wären wir dann nie diese Wege gegangen… – tja, zum Glück ist ja alles gut gegangen. Und die Berge werden wir deswegen in Zukunft trotzdem nicht meiden.

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2 Kommentare

  1. Marc

    Klingt so als hätte sich die Bergwacht richtig gefreut, dass sie endlich wieder fliegen dürfen. 🙂
    Krasse Aktion!
    Ich bin als Kind mal mit einem Hubschrauber geflogen, den Rundflug hatte mein Vater gewonnen. War echt super, würde ich gerne mal wieder machen. Bis jetzt haben mich die Preise aber auch immer abgeschreckt 🙁

    Liebe Grüße,
    Marc

    • Ja, Marc, das war echt ne krasse Aktion – eigentlich ein wenig zu krass für unseren Geschmack. Hätten nicht gedacht, dass wir uns bei unserem ersten Hubschrauberflug ca 15-20 m unter dem Hubschrauber befinden würden…, aber zum Glück ging ja alles gut.
      Irgendwann machen wir hoffentlich einen geplanten Flug über irgendeine wunderschöne Landschaft!

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