Norwegen mit Kindern - Lofoten Roadtrip - Mitternachtssonne
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Norwegen mit Kindern – Camper-Roadtrip zu den Lofoten, der Mitternachtssonne entgegen

Seit fast zwei Jahrzehnten wohnen wir nun schon in Skandinavien, aber wir sind noch nie mit unseren Kindern in Norwegen gewesen. Eigentlich schon komisch, da fliegt man teilweise um die halbe Welt, aber zu unseren Nachbarn im Westen hatten wir es noch nie so richtig geschafft. Dabei ist Norwegen mit Kindern ein absolutes Highlight, wie wir in den vier Wochen Roadtrip in den wirklich hohen Norden erleben durften!

Lofoten – ein Paradies im Nordatlantik

Die Anreise über Schweden war ein wenig feucht. Vor allem in der Gegend um Kiruna herum wurden wir ganz schön nass.  Von unserem letzten Standort in Schweden aus ging es weiter über die E10 gen Westen, vorbei an Låktatjåkka, wo wir am Vortag unsere schöne Wanderung zum Trollsjö gemacht hatten bis nach Riksgränsen, Schwedens nördlichstem Skigebiet und wo man die Grenze nach Norwegen überquert.

Die E10 führte uns nördlich von Narvik immer weiter Richtung Lofoten. Selbst das Wetter wurde zunehmend besser, je weiter wir uns den Inseln im Nordatlantik näherten. An jenem Tag fuhren wir cirka 300 Kilometer und bewunderten die Landschaft meist vom Auto aus, was aber eine sehr kurzweilige Angelegenheit war, da die Szenerie dort oben wie ein eindrucksvoller Naturfilm an einem vorbeizieht.  Recht schnell verloren wir auch das Gefühl für die Zeit, da es ja nicht wirklich dunkel wurde. Bei jedem Blick auf die Uhr verschätzte man sich gewaltig, und so kamen wir erst relativ spät abends an unserem ersten Übernachtungsplatz in Norwegen an.

Norwegen mit Kindern - Lofoten Roadtrip - Brückenarchitektur

Genauso hatten wir uns die Straßen auf den Lofoten vorgestellt!

Von einem Freund aus Deutschland hatten wir kurzfristig einen  Übernachtungstipp bekommen, in einer schönen Bucht außerhalb des kleinen Küstenortes Kabelvåg südlich von Svolvær. Dort konnten wir fast direkt am Strand parken zusammen mit anderen Reisenden, die hier entweder im Zelt oder im Camper übernachteten.
Hier hatten vor allem Kletterer ihr Nachtlager aufgeschlagen, für die die spitzen Gipfel auf den Lofoten ein Paradies darstellt. Anfänglich wunderten wir uns, warum selbst zu vorgerückter Stunde immer noch Leute ankamen und ihr Zelt aufschlugen oder mit gepackten Rucksäcken aufbrachen. Aber da es ja im Prinzip rund um die Uhr hell war, kann man natürlich auch nachts noch klettern.

Norwegen mit Kindern - Lofoten Roadtrip - Kabelvåg

Abends irgendwo der Nähe von Kabelvåg.

Tipp: Das kleine Dorf Kabelvåg hat ein kleines idyllisches Zentrum, wo man auch gut Proviant auffüllen kann. Ganz besonders gefiel uns die deutsche Bäckerei  Bakeri Unseld, wo man unter anderem richtig deutsches Brot und deutschen Kuchen bekommen kann! 

Immer der Mitternachtssonne entgegen

Am darauffolgenden Tag ließen wir es erstmal langsam angehen. Zum einen kamen wir nun so allmählich in den Ferienmodus und schliefen recht lange. Zum anderen dauert es schon seine Zeit, bis man morgens im doch recht engen Camper alles zurechtgerückt hat, und alles wieder an seinem Platz gelandet ist. Das ist schon manchmal eine logistische Herausforderung…

Aber wir hatten es nicht eilig, wollten wir heute doch nur so cirka 60 Kilometer bis nach Eggum fahren, unserem ersten richtigen Ziel auf den Lofoten. Eggum liegt eigentlich sehr malerisch an der Westküste der Lofoten. Der optimale Platz, um im Sommer die Mitternachtssonne zu bewundern. Hier gibt es auch einen Naturcamping, wo man für 100 NOK pro Nacht oberhalb des Strands übernachten kann. Dazu gibt es ein kleines Servicegebäude mit einem tagsüber geöffneten Kiosk  und Toiletten. Dieses Servicehaus ist von DEM norwegischen Architektturbüro schlechthin  entworfen worden, Snøhetta mit Sitz in Oslo und New York.

Ich war aber zu diesem Zeitpunkt eher an der Natur in Eggum und vor allem an der Mitternachtssonne interessiert als an moderner norwegischer Architektur. Trotzdem war ich bei unserer Ankunft ein wenig enttäuscht. Hatte ich mir Eggum doch ein wenig schöner und ursprünglicher vorgestellt. Das lag natürlich vor allem auch daran, dass schon einige Camper vor Ort waren, und ich mir zuerst gar nicht so richtig vorstellen konnte, hier eine Nacht zu verbringen, eingezwängt zwischen ein paar überdimensionierten Luxuswohnmobilen… und es sollte noch „schlimmer“ kommen.

Norwegen mit Kindern - Lofoten Roadtrip - Eggum

Eggum

Im Laufe des Nachmittags füllte sich der wenige Platz rund um die Servicestation immer weiter. Ein Gefährt nach dem anderen traf ein, alles von immer grösseren Wohnmobilen bis zu kleinen Allradgefährten, Autos mit Leuten, die ihr Zelt am Strand aufschlagen wollten, einsame Reiseradler und auch Familien mit Wohnwagen… eine wirklich bunte Mischung. Die ganze Szenerie wurde eigentlich immer absurder, so dass es am Ende schon wieder lustig war und wir uns fragten, wer wohl noch so alles hier auftauchen würde. Kurz vor Mitternacht kamen dann noch viele Besucher hinzu, die nur hierher gekommen waren, um die Mitternachtssonne zu bewundern, ohne die Absicht hier zu übernachten.

Norwegen mit Kindern - Lofoten Roadtrip - Eggum Campingplatz

Mit der Zeit wurde es doch recht voll…

Volksfeststimmung um Mitternacht

So kurz vor Mitternacht sassen dann Hunderte von Menschen auf Campingstühlen am Rand des Schotterweges, der hierher führte oder unten am Strand oder vor ihren Zelten oder Campern… einige hatten Grills ausgepackt, andere saßen mit Picknick am Strand, jeder genoss auf seine eigene Weise den Ausblick auf den roten Feuerball, der sich langsam dem Horizont näherte. Es war ja immerhin bereits der 17. Juli und somit waren wir hier am Ende der Mitternachtssonnensaison angelangt.
Für kurze Zeit versank die Sonne zu ungefähr einem Drittel im Meer, um dann ganz schnell wieder aufzusteigen. Ein unglaublich faszinierendes Naturschauspiel, das ich schon lange einmal erleben wollte. Wir waren so froh, dass auch das Wetter nun endlich mitspielte und genossen den Abend bzw Morgen zusammen mit einer netten Familie aus Deutschland, die wir auch später noch einige mal wiedertreffen sollten und einem einsamen Radler aus der französischen Schweiz.

Norwegen mit Kindern - Lofoten Roadtrip - Mitternachtssonne

Noch war res recht ruhig…

Norwegen mit Kindern - Lofoten Roadtrip - Eggum VW Camper

Norwegen mit Kindern: Von hier hat man eine gute Aussicht auf die Mitternachtssonne und auch alles andere…!!

Norwegen mit Kindern - Lofoten Roadtrip - Mitternacht

Kurz vor Mitternacht…

So kurz vor 2 Uhr legte ich mich dann auch schlafen und schaute noch ein letztes mal aus dem Fenster im Bus… da stand die Sonne schon wieder erstaunlich hoch am Himmel.

Unstad – ein Ausflug zu den Arctic Surfers

Am nächsten Tag wollten wir uns vor der Weiterfahrt  unbedingt noch ein wenig bewegen. Wir kamen mal wieder nicht wirklich früh in die Gänge. Als wir so gegen 11 Uhr aus dem Bus gekrochen waren und anfinden, Frühstück zu machen, waren die meisten Mitcamper schon längst aufgebrochen. Aber wir waren ja im Urlaub und unserer normaler Wach-Schlaf-Rhtyhmus seit der vorigen Nacht eh schon völlig durcheinander.

Von Eggum kann man eine schöne Wanderung entlang der Küste zum benachbarten Ort Unstad machen. Unstad ist bekannt für seine bei Surfern beliebten Wellen. Ich muss gestehen, dass mir bei dem Gedanken in diesen Gewässern, vor allem bei diesen Temperaturen zu surfen, ganz anderes geworden ist. Aber wer ein richtiger Arctic Surfer sein will, den kann das natürlich nicht erschrecken.
Wir haben uns das aber dann doch lieber nur vom Strand aus angeschaut und auf ein eigenes Bad in den Wellen verzichtet.

Norwegen mit Kindern - Lofoten Roadtrip - Arctic Surfers

Sieht schon ein wenig kalt aus…

Die Wanderung dauert cirka 2-3 Stunden und ist anfänglich recht einfach. Je näher man Unstad kommt, desto steiler wird es doch an einigen Stellen. Kleinen Kindern sollte man an die Hand nehmen, da es teilweise recht steil ins Meer runter geht.
Aus Zeitmangel fuhr ich mit dem Bus von Eggum nach Unstad während die anderen sich schon einmal auf den Weg machten. Ich wanderte ihnen dann entgegen und wir gingen alle zusammen noch die surfenden Helden bewundern, bevor wir dann unsere Reise ein kleines Stück nach Süden fortsetzten. Hier in Unstad hätte man doch auch für den üblichen Obulus von 150 NOK pro Nacht bleiben können.

Norwegen mit Kindern - Lofoten Roadtrip - Von Eggum nach Unstad

An der Küste entlang geht’s nach Unstad.

Uttakleiv – unser persönliches Highlight an der Westküste der Lofoten

Auch von Uttakleiv und dem benachbarten Strand Haukland hatten wir vorher gelesen, Filmchen auf YouTube gesehen und von verschiedenen Freunden gehört, dass es dort sehr schön sein sollte.  Bei unserer Ankunft hatte sich gerade mal der Himmel wieder ein wenig mit Wolken verzogen und nach einem kurzen Blick aus dem Auto auf Haukland fuhren wir durch den Tunnel nach Uttakleiv. Auch dort gab es die Möglichkeit für 150 NOK pro Nacht mit dem Camper zu nächtigen, und so parkten wir erstmal unseren Bus auf dem noch recht leeren Parkplatz. Wir hatten uns an diesem Strand mit der Familie von Maria und Thor von sechspaarschuhe.de verabredet, von denen wir wussten, dass sie auch auf den Lofoten unterwegs waren.

Norwegen mit Kindern - Lofoten Roadtrip - Uttakleiv VW Camper

Bei unserer Ankunft war noch nicht viel los…

Für uns war es auch der Platz auf den Lofoten, an dem wir am längsten verweilten sollten. Das war so  nicht geplant, aber ergab sich einfach…
Hätten unsere Kinder entscheiden dürfen, wären wir vermutlich unsere gesamten Ferien in Uttakleiv geblieben, zumindest so lange die Kinder von Maria und Thor auch dort gewesen wären. Die Kinder verstanden sich von Anfang an sehr gut miteinander und spielten und tobten stundenlang zusammen. Die Tage vergingen wie im Fluge mit wandern (dazu demnächst noch mehr), langen Gesprächen, spielen, ausruhen, lesen.. einfach mal wieder ein wenig die Seele baumeln lassen. Abendessen am Strand, Lagerfeuer machen und dabei fast jede Nacht die Mitternachtssonne bewundern können, die nun aber jeden Abend ein wenig tiefer im Meer versank – man hätte es fast nicht schöner haben können. Zugegeben, die Temperaturen dort oben am 68. Breitengrad sind schon nicht wirklich sommerlich warm.  Und wäre das Wetter auch nicht von Tag zu Tag besser geworden, hätten wir es vielleicht auch nicht so lange ausgehalten.

Norwegen mit Kindern - Lofoten Roadtrip - Uttakleiv Camping

Hauptsaison in Uttakleiv – überfüllt ist auch was anderes.

Auch hier füllten sich die Park- und Übernachtungsmöglichkeiten abends immer stark. Wir waren eben nicht die einzigen, die dieses wunderschöne Fleckchen Erde und den freien Ausblick auf die Mitternachtssonne genießen wollten. Allerdings fühlten wir uns eigentlich nie davon gestört. Da Uttakleiv viel weitläufiger als Eggum ist, empfanden wir es nie als überfüllt. Irgendwie war man ja unter Gleichgesinnten. Ich habe jedenfalls noch nie so viele unterschiedliche VW-Bus-Camper gleichzeitig an einer Stelle gesehen.

Am fünften Tag trennten wir uns dann doch schweren Herzens von Uttakleiv und den Norwegern. Für uns sollte die Reise erstmal ein Stück weiter nach Süden gehen. Aber es war nur ein Abschied auf Zeit, wie sich später herausstellen sollte. In den darauffolgenden zwei Wochen liefen wir uns noch ein paar mal völlig ungeplant über den Weg. Die Lofoten sind eben doch recht übersichtlich.

Norwegen mit Kindern - Lofoten Roadtrip - Uttakleiv Mitternachtssonne

Gegen 23:30 – Zeit zum Schlafengehen… oder vielleicht auch nicht…

Die Mitternachtssonne sollten wir nach den Tagen in Uttakleiv nicht mehr wirklich zu Gesicht bekommen. Unseren um viele Stunden verschobenen Wach-Schlaf-Rhythmus sollten wir doch noch einige Wochen beibehalten…

Camping an der Westküste der Lofoten: Übernachtung kostet in der Regel 100 NOK pro Nacht im Zelt und 150 NOK pro Nacht im Camper. Wenn man nur für ein paar Stunden parken möchte, um die Mitternachtssonne zu bestaunen bezahlt man 20 NOK fürs Parken. Bezahlen kann man in bar oder per Überweisung.
In Eggum und Uttakleiv gibt es Toiletten und Wasser. In Haukland übernachtet man im Moment noch umsonst. Toiletten gibt es trotzdem, doch kein Trinkwasser.

11 Kommentare

    • Hallo Ina,
      schön, dass ihr euch hierher „verirrt“ habt, noch dazu unter „Nachbarn“! Habe gerade gesehen, dass ihr ganz in der Nähe von Freunden von uns wohnt – schöne Gegend!
      Ich muss gestehen, dass wir nicht so oft Zug fahren, zumindest keine größere Strecken. Ein paar Nachtzugfahrten haben wir zwar auch schon hinter uns, aber irgendwie bin ich hinter immer recht gerädert… na ja, vielleicht bekomme ich ja bei euch noch ein wenig Inspiration!

      Auf gute Nachbarschaft!
      LG aus Schweden,
      Hartmut

  1. Wunderschön, aber für meinen Geschmack fast zu voll. 😉 Die Lofoten sind halt derzeit ein Hype und gefühlt will jeder mal dorthin. Trotzdem natürlich traumhaft und jaaaa…. ich gehöre auch zu denen die dort noch hinmöchten. Aber ich glaub es ja kaum, daß ihr zuvor noch nie in Norwegen gewesen seid. Haha, das ist ja fast so, als hätten wir es noch nie ins nahe Holland geschafft. Ich finde Schweden ist landschaftlich z.T. ganz anders als Norwegen, daher muss man dieses Land einfach mal gesehen haben, wenn man Skandinavien liebt. GlG, Nadine

    • Liebe Nadine, zum Glück fahren nicht alle hin, die hin wollen… sonst wäre es ja noch voller. Die Saison ist eben sehr kurz, so dass alle gleichzeitig da sind. War in der TaT an manchen Tagen und Stellen ein wenig grenzwertig… Ist aber auch schon eine gigantische Landschaft!
      LG
      Hartmut
      PS: Wir waren vorher wirklich noch nie mit den Kindern in Norwegen gewesen…

  2. Wahnsinn, diese Bilder! Meine Kinder fänden es sicher den absoluten Oberhit, niemals schlafen gehen zu müssen 😉
    Aber wie kommen wir denn von Deutschland aus so weit nach Norden? Das dauert doch sicher ewig… und wie kalt ist kalt? Wir haben ja schon auf der Höhe von Bergen in unserem Zelt gefroren… :-/

    Freue mich schon auf weitere Berichte!

    LG Jenny

    • Liebe Jenny, die Mitternachtssonne ist schon irgendwie grandios! Und unsere fanden das auch klasse, so lange auf bleiben zu können. Man ist auch selten müde, wenn es immer so hell ist!
      Von euch sind das so cirka 2600 km einfachen Weg… das überlegt man sich natürlich zweimal… aber man kann ja auch dorthin fliegen und nen Mietwagen nehmen. Die Temperaturen schwankten zwischen 8 und 22 Grad…
      LG
      Hartmut

    • inaaltoet

      Als wir 2007 auf den Lofoten waren hatten wir durchweg über 20grad bis zu 25Grad, da war der Süden Norwegens in dem Sommer total verregnet. 😉 .Das war aber auch ein Ausnahme Sommer für die Lofoten.
      Ja das mit dem nicht schlafen wollen wenns es noch hell haben wir hier jeden Sommer. Einfach hinfliegen und dann Mietwagen ist bei dem langen Abstand bestimmt das Beste.

      LG Ina
      http://www.mitkindimrucksack.de

  3. Lieber Hartmut!
    Was für tolle Bilder! Das Licht ist absolut magisch. Ich will ja schon lange nach Norwegen, aber nach diesem Beitrag von dir überlege ich gleich, ob ich das nicht direkt nächsten Sommer mache…
    Liebe Grüße
    Gela

    • Ja, das Licht im hohen Norden ist einfach etwas ganz besonderes… daran werde ich mich auch nie gewöhnen und bewundere und bestaune es immer aufs Neue!
      Ich finde, das klingt doch nach einem guten Plan für den kommenden Sommer!!
      LG
      Hartmut

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