58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Title
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Wandern in Neuseeland – der Coromandel Coastal Walkway

Vor einem Jahr waren wir gerade dabei, uns während unserer Neuseeland-Auszeit einen gewissen Alltag zu schaffen. Wir freuten uns nach so vielen Jahren, endlich mal wieder in einer Großstadt leben zu können.
Zum richtigen Großtadtleben gehören aber auch natürlich die regelmäßigen Auszeiten vom Trubel der Stadt. Als „richtige“ Aucklander zog es uns auch immer wieder auf die nahegelegen Coromandel-Halbinsel. Dort hatten wir 2011 schon bereits ein paar wunderschöne Tage verbracht, aber wir wollten noch viel mehr vom schönen Coromandel sehen und erleben.

Coromandel Halbinsel

Die Coromandel Peninsula liegt nur cirka 90 Autominuten vom Stadtzentrum von Auckland entfernt. Geradezu ideal, um am Freitagnachmittag nach Arbeit und Schule noch übers Wochenende dorthin zu fahren. Natürlich ist man nicht allein, da viele betuchte Aucklander dort ihr Wochenendhäuschen haben und es somit schon einmal ein wenig voll werden kann auf der Autobahn gen Süden. Wir hatten aber immer irgendwie Glück und kamen ganz gut durch.

Die auf der anderen Seite des Hauraki Golf gelegene Halbinsel kann man von Auckland auch mit der Fähre erreichen. Allerdings werden auf dieser Schiffsverbindung keine Fahrzeuge transportiert, so dass man den Transport auf Coromandel irgendwie anders lösen muss.

Ganz im Norden von Coromandel

Vor acht Jahren besuchten wir Coromandel mit unserem großen Campervan, mit dem wir damals sicher und zuverlässig 75 Tage durch Neuseeland reisten. Einige wenige Straßen blieben uns verwehrt, da man sie mit Camper nicht befahren durfte. Das war damals so, und das hat sich bis heute auch nicht geändert. Die wunderschöne Küstenstraße in den äußersten Norden von  Coromandel gehört dazu. In der Regel, ist die Strecke nördlich von Colville Township für Mietwagen verboten. Das gilt meines Wissens zumindest für alle Campervans. Wir mussten also die Chance nutzen, mit unserem Auto mal ganz in den Norden von Coromandel zu fahren.
Oder man macht es wie unsere Freunde damals, die sich gar nicht bewusst waren, dass sie auf einer verbotenen Straße fuhren, als sie mit ihrem Monster-Campervan in den Norden Coromandels fuhren…

Scenery Drive – Port Jackson Road

Die ersten Kilometer nach Colville sind noch geteert und gut zu fahren. Dann biegt man schon bald nach links auf die Port Jackson Road ein, die einen als Schotterstraße ganz in den Norden Coromandels bringt. Hier sind ein paar kleinere Furten zu durchqueren, die bei schlechtem Wetter vermutlich recht tief sein könnten. Bei unserem Besuch waren sie für unseren kleinen Allradkombi keine wirklichen Hindernisse.

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Colville Generell Store

Colville – viel gibt es hier nicht. Es ist aber die letzte wirkliche Einkaufsmöglichkeit bevor man in den Norden Coromandels fährt.

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Port Jackson Road

Das liebe ich am individuellen Reisen, dass man einfach anhalten und Pause machen kann, wo man gerade möchte. Wie hier zum Beispiel auf dem Nachhauseweg auf der Port Jackson Road.

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Port Jackson Road

Auf der Port Jackson Road gen Süden

Die Port Jackson Road führt direkt an der Küste entlang, und die Aussicht ist überwältigend! Allein schon für diese Fahrt lohnt sich eine Ausflug in den hohen Norden Coromandels. Wir mussten immer wieder anhalten und einfach das Panorama bewundern. Auf dem Nachhauseweg hatten wir dann noch ein bisschen extra Glück und konnten direkt von der Straße aus, eine kleine Gruppe Delphine beobachten, die dort an der Küste entlang schwamm. Ein tolles Schauspiel!

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Delphine

Manchmal hat man einfach Glück… und gute Augen!

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Stop for the view

Anhalten, raus gehen und den Augenblick genießen…

Campen im Norden von Coromandel

Ganz im Norden der Coromandelhalbinsel gibt es zwei DOC-Campingplätze. Am nordwestlichen Zipfel in Port Jackson, einer circa ein Kilometer langen Bucht mit Sandstrand liegt der ebenso lange und gleichnamige DOC-Campingplatz. Dort haben unsere lieben Freunde aus Stockholm und Reisegefährten von 2011 zwei entspannte Tage am Strand verbracht.

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Port Jackson Campsite

Port Jackson Campsite

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Port Jackson Campsite

Hier war es vor 8 Jahren sehr leer, aber auch am Osterwochende 2018 war es hier nicht viel voller.

Wir fuhren noch ein kleines Stück weiter bis nach Fletcher Bay zur anderen DOC-Campsite hier im Norden, der Fletcher Bay Campsite. Hier hatten wir uns für zwei Nächte in einer kleinen Lodge, dem Fletcher Bay Backpackers, das auch vom DOC betrieben, wird eingemietet.
Der Begriff Lodge ist hier vielleicht nicht wirklich angebracht, da es sich eher um eine Low-Budget-Unterkunft handelt. Wir hatten ein Zimmer mit zwei Stockbetten und den typischen DOC-Gummimatratzen, die mich immer an die Turnmatten aus dem Schulunterricht der 70er und 80er Jahre erinnern!
Aber für zwei Nächte war es schon ok. Es gab eine Küche und ein Badezimmer, das man sich mit den anderen Gästen teilte. Insgesamt gibt es dort vier Zimmer mit jeweils 2 Stockbetten, die an diesem Wochenende Ende März voll besetzt waren.

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Fletcher Bay Backpackers

Das Fletcher Bay Backpackers liegt am Ende des Campingplatzes auf einer kleinen Anhöhe und umgeben von Farmland.

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Fletcher Bay Backpackers

Fletcher Bay Backpackers – unsere Bleibe für zwei Nächte

Der Campingplatz liegt sehr nett im Prinzip direkt am Meer. Hier kann man auch nur zum Ausspannen, Baden und Angeln herkommen und einfach ein paar ruhige Tage abseits von allem Trubel genießen.

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Fletcher Bay Campsite

Flechter Bay Campsite mit Backpars im Hintergrund

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Kids on the beach
58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Beach treasures

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Fletcher Bay Sunset

Sonnenuntergang in der Fletcher Bay

Der Coromandel Coastal Walkway – ein ‚easy walk´?

Wettermäßig hätte es nicht besser sein können. Wir hatten strahlend blauen Himmel, warme Temperaturen tagsüber, so dass man in kurzen Hosen wandern konnte, obwohl es nachts schon recht kühl wurde. Der Herbst kündigte sich an, und das wurde von Tag zu Tag deutlicher.

20 Kilometer hin und zurück – eine ordentliche Tageswanderung

Laut den offiziellen Angaben im Netz beträgt die Strecke zwischen Fletcher und Stony Bay hin- und zurück ungefähr 20 Kilometer. Die reine Laufzeit ist mit ungefähr sieben Stunden angegeben, der Schwierigkeitsgrad mit easy. Man sollte die Wanderung trotzdem nicht zu spät starten. Vor allem nicht im Spätsommer oder Herbst, wenn es früher dunkel wird.

Nach unseren Erfahrungen stimmen die offiziellen Gehzeiten recht gut mit unserem eigenen Tempo überein. Auf dem Coromande Coastal Walkway ging es doch ein klein wenig schneller. Wir liefen morgens um 9:30 Uhr an unserer Backpackerunterkunft los und waren abends kurz vor 18 Uhr wieder zurück. Und da waren wir außerdem auf den Gipfel des Sugar Loaf geklettert, hatten eine richtig lange Mittagspause in Stony Bay inklusive baden im Meer gemacht und hatten uns auch unterwegs immer mal wieder einfach hingesetzt und die Landschaft bestaunt.

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Wegweiser

Oft stimmen die Zeiten ganz gut mit den wirklichen Gehzeiten überein.

Der Weg ist insgesamt sehr einfach zu gehen. Zumindest wenn man nicht die Mountain Bike Strecke läuft, die wohl teilweise recht steil sein kann. Der Anstieg auf den Sugar Loaf war allerdings stellenweise nicht ganz ohne, da es teilweise steil nach oben geht ohne einen richtig guten Weg. Der eigentliche Coromandel Coastal Walkway läuft aber sonst immer schön an der Küste entlang und bietet einfach grandiose Aussichten!

Von Fletcher Bay nach Stony Bay

Startpunkt für uns war wie gesagt Fletcher Bay. Quer über den Campingplatz ging es dann auf einem kleinen aber deutlichen Pfad über Weideland immer ein wenig bergauf. Schnell lässt man den Campingplatz hinter sich und umrundet die nördlichste Spitze. Vorbei an einem kleinen Strand geht es von nun an weiter Richtung östliche Coromandelküste. Hier sahen wir viele Paradieskasarka (paradise shelduck) eine Art Ente in der Größe von Gänsen, die man in Neuseeland häufig zu Gesicht bekommt. Hier oben gab es aber ungleich viele davon.

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Leaving Fletcher Bay Campsite

Und los geht’s…

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Anfang Coromandel Coastal Walkway Sugar Loaf

Zu Anfangs führte der Wanderweg über Weideland.

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Paradieskasarka

Die neuseeländischen Paradieskasarka-Enten gab es hier recht häufig.

Linker Hand liegt der Sugar Loaf, eine relativ hohe Erhebung, von der man einen grandiosen Blick auf die ganze Umgebung hat. Ein Ausflug zur Spitze und wieder zurück dauert ungefähr 30-45 Minuten, je nachdem wie schnell man unterwegs ist und wie lange man auf dem Gipfel den Ausblick genießen möchte.
Wir ließen uns den Anstieg auf den Sugar Loaf nicht nehmen und wurden mit einer tollen Aussicht belohnt.

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Little & Great Barrier Islands

Die Aussicht vom Sugar Loaf –  im Hintergrund Little und Great Barrier Islands.

Abstieg Sugar Loaf

Abstieg – zurück zum eigentliche Coromandel Coastal Walkway

Der eigentliche Coastal Walkway führte am Abzweig zum Sugar Loaf weiter in Richtung Südosten. Es geht zu Anfang hauptsächlich stetig leicht über Weideland bergauf bevor man dann mer direkt zur Küste kommt. Hier führt der Weg meist durch den für Neuseeland so typischen native bush mit immer wiederkehrenden Aussichten auf die beeindruckende Küste Coromandels.
Nach insgesamt gut der Hälfte erreicht man den höchsten Punkt des Wanderweges, von wo aus es „nur“ noch nach Stony Bay runter geht.

Vom Abzweig zum Sugar Loaf kommt man ungefähr nach einer halben Stunde zu einem kurzen, steilen Abstieg runter zur Poley Bay, die sich für eine längere Pause anbietet. Hier gibt es einen kleinen Strand mit ein wenig Sand und vielen kleinen Steinen. Zum Wasser hin dominieren größere Felsen, über die die Brandung des Pazifischen Ozeans hereinrollt. Zum Baden ist die Stelle nicht so geeignet.

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Poley Bay

Poley Bay

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Looking for shells

Mal wieder auf Schatzsuche…

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Sea Shell

Weiter geht es von hier nach einem kurzen steileren Aufstieg in circa einer Stunde zu einem Lookout, der sich nur wenige Gehminuten vom Hauptweg entfernt befindet. Hier auf gar keinen Fall dran vorbeilaufen, da sich dieser kleiner Abstecher für die tollen Aussichten extrem lohnt!

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Lookout North View

Der Blick vom Lookout nach Norden zum Sugar Loaf…

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Lookout View South

… und nach Süden in Richtung Stony Bay.

Stony Bay – DOC Campsite

Am Ende (oder am Anfang, je nach dem von wo man die Tour aus startet) gelangt man zur Stony Bay, die ihrem Namen alle Ehren macht. Hier gibt es auch einen weiteren DOC-Campingplatz.
Wir machten hier eine ausgiebige Mittagspause und badeten im Meer. Und wir hätten auch noch stundenlang bleiben und einfach den Tag und den Augenblick genießen können, aber wir hatten ja noch ein paar Stunden Wanderung zurück nach Fletcher Bay vor uns.

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Stony Bay

Stony Bay

Wer seine Tour von Stony Bay aus starten möchte, erreicht diese Campsite auch mit dem Wagen von Colville aus. Anstatt in die Port Jackson Road Richtung Port Jackson und Fletcher Bay abzubiegen, fährt man noch ein Stück weiter Richtung Ostküste auf der Port Charles Road bis Sandy Bay und dann weiter und bis zum Ende der Stony Bay Road. Auch in Stony Bay kann man entweder im Camper oder Zelt übernachten. Oder man mietet sich die Stony Bay Batch, die Platz für bis zu fünf Personen bietet. Eigentlich auch eine ganz gute Alternative, vor allem wenn man lieber für sich sein möchte und zelten nicht mag.

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Pausenbank

Auf dem Coromandel Coastal Walkway gibt es immer wieder Gelegenheiten, eine kleine Pause zu machen!

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Running up the hill

Woher die Kids manchmal ihre Energie bekommen, bleibt uns ein Rätsel…

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Fantail

Wie immer auf unseren Wanderungen in Neuseeland waren die Fantails nicht weit.

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Walking views

Unser Coromandel Coastal Walkway Fazit

Die Wanderung stand ja schon lange auf unserer To-Do-Liste, und wir wurden nicht enttäuscht. Wettermäßig hatten wir extremes Glück. Der Walk ist nicht besonders anspruchsvoll, die Aussichten grandios! Auch mit (kleineren) Kindern ist diese Wanderung kein unmögliches Unterfangen, da der Weg an sich nicht wirklich schwierig zu gehen ist.
Die Länge von 20 Kilometern mag den einen oder anderen abschrecken, aber letztendlich kann man ja auch nur ein Teilstück gehen – die Aussichten sind trotzdem umwerfend!

Es gibt auch die Möglichkeit, mittels eines Shuttles an das eine Ende des Coromandel Coastal Walkways zu gelangen und sich dann am anderen Ende wieder abholen zu lassen. Einfach mal nach „Coromandel Coastal Walkway Shuttle“ googeln. Die Preise liegen so um die NZD $140 für Erwachsene und NZD $85 für Kinder bis 15 Jahre (Stand 2018/19). Die Touren starten dann in der Regel in Coromandel Town oder Whitianga.

Und auch wer sich nicht auf den Coromandel Coastal Walkway begeben will, sollte einen Besuch hier oben dennoch ernsthaft in Erwägung ziehen. Viele scheuen die relativ lange Anreise – und vielen bleibt sie mit Mietwagen oder -camper auch verwehrt. Man ist hier in der Hauptsaison zwar nicht alleine, aber so richtig voll wird es hier vermutlich auch nur zu Weihnachten und Neujahr (wir waren ja immerhin am Osterwochenende da, und es war ziemlich ruhig).
Einer meiner ehemaligen Kollegen in Auckland hat wie viele andere Aucklander auch ein Sommerhaus auf Coromandel – und das schon seit sehr vielen Jahren. Aber er hat es trotzdem in all den Jahren nur einmal bis Colville geschafft. Wenn er wüsste, was er da bisher verpasst hat…

58 Grad Nord - Coromandel Coastal Walkway - Stunning view

Einfach sagenhaft diese Ausblicke vom Coromandel Coastal Walkway!

 

7 Kommentare

  1. Pingback: Januar 2019: Neuseeland-News, Blogschau und Monatsrückblick | weltwunderer

  2. Wahnsinn, das sieht so schön aus… Ich gestehe, dass mich die 20 km auch abschrecken. Aber wir warten halt einfach noch, bis unsere Jüngste ein wenig größer ist, und üben bis dahin im Elbsandsteingebirge. Und dann geht’s wieder nach Neuseeland! ❤️

    LG
    Jenny

    • Na klar, ihr müsste das ja nicht übereilen. Die nächste Neuseelandreise kommt bestimmt! Dank der Shuttlemöglchkeit kann man den Weg ja auch auf die Hälfte abkürzen. Und selbst ohne den Coromandel Coastal Walkway gegangen zu sein, lohnt sich ein Besuch dort oben!
      Elbsandsteingebirge soll aber auch sehr schön sein… haben wir gehört! 😉
      LG aus Schweden,
      Hartmut

  3. Hallo ihr Lieben,

    was für tolle Bilder einer fantastischen Landschaft! Das sieht ja wirklich traumhaft aus, dort würde ich auch sofort loswandern.
    Der Shuttle ist ja auch sehr praktisch, oft hat man ja keine Möglichkeit ein zweites Fahrzeug vorab am Ziel zu positionieren, um wieder zurück zu kommen.

    Liebe Grüße
    Isabel

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