58 Grad Nord - Familienauszeit - Rotoroa Island
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Tagesausflugstipp Auckland – ein Besuch bei den Kiwis auf Rotoroa Island

Raus aus der Großstadt, rein in die Natur! Die einfachste Möglichkeit, dem Großstadttreiben von Auckland zu entfliehen ist ein Ausflug auf eine der Inseln im Hauraki Golf. Für uns ging es vor einigen Tagen für einen Tag nach Rotoroa Island – ein Vogelschutzgebiet vor den Toren Aucklands.

Geänderte Pläne

Auf unserer To-Do-Liste für die Zeit hier in Auckland steht unter anderem ein Besuch auf Tiritiri Matangi, einem Wildlife Sanctuary mit einer wohl unglaublich artenreichen Flora und Fauna. Wie auch auf die anderen Inseln in der Bucht vor Auckland gibt es Fährverbindungen von Downtown Auckland aus. Wir hatten am Vortag die Fähre gebucht und machten uns für unsere Verhältnisse früh am Sonntagmorgen um kurz nach 8 Uhr auf in Richtung Hafen.
Von unserer Wohnung sind es nur cirka 10 Minuten Autofahrt bis zum Parkhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Fähranlegers – purer Luxus.

Als wir dort ankamen, teilte man uns mit, dass die Tour nach Tiritiri Matangi aufgrund des starken Windes und der großen Wellen gerade gestrichen worden war… die Enttäuschung war natürlich groß, vor allem da wir ja extra so früh aufgestanden waren (unsere Kids finden das nämlich nicht immer so cool). Und das an einem Sonntag! Aber zum Glück konnten wir spontan umbuchen und befanden uns schon eine gute Viertelstunde später auf einem Boot Richtung Rotoroa Island.

Rotoroa Island – an Island apart

Rotoroa Island ist eine kleine Insel im Hauraki Golf in der Bucht von Auckland. Für über 100 Jahre war die Insel nicht wirklich öffentlich zugänglich, da die neuseeländische Heilsarmee dort bis zum Jahr 2005 eine Rehabilitationseinrichtung für Alkohol- und Drogenabhängige betrieb. 2008 wurde der Rotoroa Island Trust gegründet, der dann einen Pachtvertrag über 99 Jahre mit der Heilsarmee vereinbarte und heutzutage mit Hilfe des Auckland Zoos dort ein Wildlife Sanctuary betreibt.
Seit einigen Jahren versucht man nun hier auf der Insel bedrohte Tier- und Pflanzenarten wieder anzusiedeln. Dafür hat man Inseln wir Rotoroa von Nagetieren, bestimmten Insekten und Krankheitserreger befreit, die eine Gefahr für die bedrohten Arten darstellen könnten. Diese sogenannten pest free areas versucht man neuseelandweit zu schützen und zu kontrollieren (im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten natürlich). Leider ist das wohl im Fall der großen Kauri-Bäume inzwischen in bestimmten Regionen wie zum Beispiel in den Waitakere Ranges außerhalb von Auckland ein fast unmögliches Unterfangen und ernstzunehmendes Problem.

58 Grad Nord - Familienauszeit - Rotoroa Island - Damals und Heute

Früher schaute es auf Rotoroa noch ganz anders aus. Nur einige wenige der alten Gebäude sind heute noch erhalten.

Nach der obligatorische Einweisung, wie man sich auf einer sogenannten „pest free island“ zu verhalten und vor allem wie man seine Ausrüstung vor dem Betreten der Insel zu reinigen hat, ging es dann in cirka 75 Minuten nach Rotoroa. Natürlich auch nicht ohne vor der Abfahrt seine Schuhe nochmal „gereinigt“ zu haben. Dieses Schuheputzen am Hafen hat irgendwie eher einen symbolischen Wert, so richtig sauber werden eventuell stark verschmutzte Schuhe auch nicht… ich hatte deshalb am Vorabend bereits zuhause unsere Schuhe ordentlich abgebürstet und gereinigt – musterhaft nicht wahr? 😉

Vorbei an Rangitoto Island, wo wir bereits vor ein paar Wochen auf einem Tagesausflug gewesen waren und Waiheke Island (das auch noch auf unserer To-Do-Liste steht) kamen wir dann schließlich am Hafen von Rotoroa an. Dort wurden wir auch gleich von Mitarbeiterinnen des Auckland Zoos begrüßt und nochmal auf unterschiedliche Dinge hingewiesen. Unter anderem warf man einen Blick auf unser mitgebrachtes Essen, ob es sicher verpackt war und man nicht aus Versehen ein paar Ameisen oder ähnliches vom Festland mitgebracht hatte. Auch diese „Kontrollen“ waren eher Stichproben und nur halbherzig.  Aber am Ende sind sie vielleicht doch ausreichend, so dass sich Besucher vorher zumindest ein paar Gedanken machen und ihre Ausrüstung einigermaßen sauber halten.

Special Event – Kiwi release!

Bereits beim Umbuchen der Tickets am Fähranleger hatte man uns erzählt, dass heute ein ganz besonderer Tag sei, da man einen kleinen Kiwivogel auf der Insel aussetzen würde. Und wir hatten natürlich bereits die Mitarbeiterin vom Auckland Zoo bemerkt, die mit einer kleinen Transportbox an Bord der Fähre gegangen war.

58 Grad Nord - Familienauszeit - Rotoroa Island - Kiwivogel Transportbox

Die Transportbox, in der der kleine Kiwivogel mit uns zusammen auf dem Boot auf die Insel kam.

Jedes Jahr bringt man die Eier von Kiwivögeln von der Coromandelhalbinsel in den Zoo nach Auckland, damit sie dort in Ruhe schlüpfen können, geschützt von Nesträubern wie Ratten oder Opossums. Nach cirka drei Wochen werden die jungen Kiwivögel dann auf Rotoroa ausgesetzt, wo sie ungestört wachsen können. Wenn sie ein Gewicht von ca. 1,2 kg erreicht haben, werden sie dann wieder eingefangen und zurück nach Coromandel gebracht. Denn nun sind sie offensichtlich groß genug, um sich gegen die meisten ihrer natürlichen Feinde verteidigen zu können. Auf diese Weise hat man die Überlebensrate von cirka 5% auf 50-60% verbessern können.
Der einzige wirklich Feind auch für ausgewachsene Kiwis sind freilaufende Hunde. Da der Kiwivogel kein festes Brustbein besitzt, verletzen sie sich leicht tödlich, auch wenn ein Hund nur mit ihnen spielt und nicht richtig zubeißt. Anscheinend gibt es aber spezielle Trainingsmethoden, mit denen man seinem Hund beibringen kann, Kiwivögel in Ruhe zu lassen.

Wir durften jeweils den kleinen Kiwi Pito bestaunen, obwohl er eigentlich erst am Abend nach Einbruch der Dunkelheit frei gelassen werden sollte. Natürlich durfte man ihn nicht streicheln, aber zumindest aus nächster Nähe bestaunen. So nah waren wir einem Kiwivogel noch nie gekommen – zumindest nicht ohne eine trennende Glasscheibe dazwischen. Das war wirklich ein tolles Erlebnis, das wir sicher nie vergessen werden!

58 Grad Nord - Familienauszeit - Rotoroa Island - Kiwivogel

Gestatten, Pito – ein sechs Wochen alter Kiwivogel! Ist er nicht putzig?

Pito ist im übrigen Maori und bedeutet Nabel, da er anscheinend einen etwas ungewöhnlichen Nabel besaß, und die „Nabelschnur“ erst nach längerer Zeit abfiel. Er was deshalb auch bereits sechs Wochen alt, als man ihn nun auf Rotoroa aussetzte. Man wollte ihn offensichtlich etwas länger beobachten und sicher sein, dass er auch wirklich gesund war.

Wanderungen, Vogelwelt und einsame Strände

Nachdem der kleine Kiwi wieder sicher in seiner Box verstaut worden war, machten wir uns zusammen mit ein paar anderen Besuchern und einer weiteren Mitarbeiterin des Auckländer Zoos auf eine kleine Erkundungstour über die Insel. So bekamen wir einen guten Einblick in die Arbeit vor Ort und welche Arten man bereits erfolgreich angesiedelt hat. Unter anderem lernten wir den Ruf des Sattelvogels, saddleback oder tīeke (Maori), zu erkennen. Und nachdem wir für eine ganze Weile die Vögel nur gehört hatten, bekamen wir sie am Ende auch noch zu Gesicht. Natürlich gab es auch noch eine ganze Menge anderer Vögel zu sehen und zu hören, unter anderem die lustigen Fächerschwänze, fantails oder pīwakawaka (Maori), denen wir schon oft auf unseren Ausflügen in den Wäldern begegnet sind. Inzwischen sind solche Führungen für uns sehr entspannt, da wir den Kindern das Englische nicht mehr übersetzen müssen. In der Regel können sie den Großteil verstehen.

58 Grad Nord - Familienauszeit - Rotoroa Island - Einsame Strände

Es gibt auf Rotoroa Island unzählige recht einsame Strände, wie z.B. die Mens Bay

Nach der cirka einstündigen Tour machten wir uns auf eigene Faust auf den Weg, den Rest der Insel zu erforschen. Auf einem Tagesausflug hat man genügend Zeit, die kleine Insel in Ruhe zu erkunden.
Wir gingen erstmal auf den Weg zu einem windgeschützten Strand, um dort in Ruhe Mittag zu essen. Und natürlich hatten wir wie immer unsere Badesachen dabei, ohne die wir eigentlich hier nie auf einen Ausflug gehen. Irgendwie ist es ja selten wirklich weit bis zur nächsten Badestelle. Viele Kiwis finden ja, dass es inzwischen viel zu kalt geworden sei, um im Meer zu baden. Aber he, bei guten 20 Grad Lufttemperatur und ungefähr entsprechenden Wassertemperaturen ist das ja für uns Nordlichter wie ein richtig guter schwedischer Sommertag!

58 Grad Nord - Familienauszeit - Rotoroa Island - Mathe am Strand

Mathematikunterricht am Strand an einem Sonntag… (war nicht unsere Idee…)

Am Nachmittag wanderten wir dann noch auf die südliche Spitze der Insel, von wo aus man einen guten Blick auf die Anlegestelle und die zum Festland zugewandte Bucht hat. Die Wanderwege auf der Insel bieten immer wieder spektakuläre Aussichten aufs Meer (natürlich!) und die benachbarten Inseln. Selbst Coromandel im Osten wirkt so nah, dass man denkt, man könne fast rüber schwimmen (falls man wirklich nach Coromandel möchte und kein Auto zur Verfügung hat, kann man auch mit dem Boot dorthin fahren; dann darf man aber nicht in Rotoroa aussteigen sondern fährt weiter bis Coromandel).  Auf unseren Streifzügen über die Insel bekamen wir dann sogar noch einen takahē oder auf Deutsch Südinseltakahe (die Nordinseltakahes sind offensichtlich ausgestorben) zu sehen. Ein imposanter Vogel, ein gutes Stück größer als ein großes Huhn, der ungestört durchs Gras schlich und aß und sich von uns nicht wirklich stören ließ.

58 Grad Nord - Familienauszeit - Rotoroa Island - takahē

Einer der sechs takahē auf Rotoroa Island

Die Stunden auf Rotoroa Island vergingen wie im Flug. Einen Ausflug dorthin können wir wirklich empfehlen, wenn man mal aus der Großstadt Auckland rauskommen oder einfach nur die neuseeländische Vogelwelt erleben will.
Ich will Rotoroa nicht als Geheimtipp verkaufen. Unser Eindruck war aber, dass die Touren auf diese kleine Insel nicht so überlaufen sind, wie die auf die anderen, bekannteren Inseln und nach Coromandel.  Die eigentliche Hochsaison ist inzwischen natürlich vorbei. Auf der anderen Seite waren wir an einem Sonntag dort, und trotz des speziellen Events, dem kiwi release, drängelten wir uns nicht wirklich mit anderen Besuchern auf der Insel. Und wer möchte kann auch ganz selbst auf Kiwierkundungstour gehen und eine Übernachtung auf der Insel buchen – ein sicher einmaliges Erlebnis!

Tagesausflug von Auckland – Rotoroa Island

  • Nicht zu verwechseln mit Rotorua, der bekannten Stadt südöstlich von Auckland
  • Das Boot von Downtown Auckland fährt donnerstags bis sonntags jeweils einmal am Tag nach Rotoroa Island (und auch wieder zurück!); Fahrtzeit ca. 75 Minuten (Parktipp: Downtown car park gleich gegenüber vom Fähranleger, wo man am Wochenende für 10$ den ganzen Tag parken kann)
  • Die Überfahrt kostet für Familien 134$ für 2 Erwachsene und 2 Kinder; Kinder unter 5 Jahre kosten nichts (Stand: März 2018)
  • Ganz WICHTIG: Ausrüstung, vor allem Schuhwerk vor dem Besuch gut säubern
  • Es gibt zahlreiche kleine Wanderwege, die eigentlich nicht sehr anspruchsvoll sind und gut auch mit kleinen Kindern gegangen werden können
  • Gutes Schuhwerke ist immer gut, aber wir wären auch mit Sandalen ausgekommen – vor allem sauber sollten sie sein!
  • Verpflegungsmöglichkeiten sucht man auf der Insel vergeblich, allerdings kann man Wasser am Infocenter auffüllen und auf dem Boot gibt es Snacks, Kaffe und kalte Getränke zu kaufen
  • Toiletten gibt es am Infocenter und an einigen wenigen Stellen entlang der Wanderwege (z.B. an der Mens Beach)
  • Es gibt immer Spezialevents auf der Insel, einfach auf der Webseite von Rotoroa Island vorher nachschauen

58 Grad Nord - Familienauszeit - Rotoroa Island - Einsame Strände - Ladies Bay

Ladies Bay

Was wir sonst noch so alles so hier in Neuseeland erleben, kann man unter anderem in unserem Kiwi-Reisetagebuch 36GradSüd nachlesen.

6 Kommentare

  1. Christian und Jutta

    Hallo, Hartmut und family, wir verfolgen mit großem Intereresse eure ausführlichen Berichte und bewundern die schönen Fotos – ein wenig sehnsuchtsvoll, inbesondere da NZ immer noch Christians Traumziel ist! Wir müssen uns stattdessen am kalendarischen Frühlingsanfang mit einem nasskalten verspäteten Wintereinbruch abfinden … Genießt die Zeit! Liebe Grüße aus Wannsee von den „Gumpies“

    • Liebe „Gumpies“!
      Hätten euch ja auch einen schöneren Frühlingsanfang gegönnt, aber das wird sicher noch werden. Hier stellt man sich ja langsam auf Herbst ein, auch wenn es sich für unsere Verhältnisse immer noch sehr nach (Spät)Sommer anfühlt.
      Sonnige Grüße aus Neuseeland!
      Hartmut & Co.

  2. Die Strände sehen ja traumhaft aus – aber noch süßer ist natürlich der kleine Kiwi ♥ So ein schönes Tagesausflugsziel, das setze ich gleich mal auf unsere Agenda für die nächste Reise (die wird immer länger, auweia…)!

    Liebste Grüße und weiterhin viel Spaß euch!
    Jenny

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