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Auch ohne eigenes Boot in die schwedischen Schären – Schwedentipp #3

 

Die schwedische Ostküste schätzen wir ganz besonders. Nicht nur, weil es für uns der nächstgelegene Küstenabschnitt ist, sondern auch, weil es wirklich ein ganz besonders schöner Flecken Erde darstellt – vor allem die Gegend um Sankt Anna. Bei Seglern sehr beliebt, bietet die Inselwelt eine faszinierende und traumhafte Landschaft, die es zu entdecken gilt und wo es Tausende von schönen Naturhäfen zum Erforschen und Übernachten gibt. Doch auch ohne eigenes Boot kann man die Inselwelt der Schären in Östergötland erkunden. Wir erklären euch hier wie!

Das Gebiet um Sankt Anna umfasst den mittleren Teil der ‚Östgötaschären‘, die vom ‚Bråviken‘ und der Gegend um Arkösund im Norden bis zum Schärengarten von Gryt um Valdemarsvik herum im Süden reichen. Dieses Gebiet umfasst die Kommunen Norrköping, Söderköping und Valdemarsvik. Im Sommer kann man die Schären mit Hilfe der Boote der „Skärgårdslinjen“ bereisen, die von den drei oben genannten Kommunen betrieben wird. Normalerweise verkehren die Boote täglich von Anfang Juli bis Anfang August (Die Schweden haben es leider immer noch nicht begriffen, dass für viele Europäer vom Kontinent der gesamte August der beliebteste Sommer- und Reisemonat ist!). Von Tyrislöt, der „Endstation“ der Landstraße 210 auf Norra Finnö gehen doch bereits Boote im Juni nach Harstena (muss man sich aber vorher anmelden). Auch zum Seekajakpaddeln lädt die Gegend um Sankt Anna ein.

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Und wie kommt man dorthin? Am einfachsten von Söderköping aus über die Landstraße 210 gen Osten. Söderköping, an der E22 und am Göta-Kanal gelegen, ist ein schönes kleines schwedisches Städtchen. Hier sieht es wirklich so aus, wie in Astrid Lindgrens Schweden! Hier wurden unter anderem Teile der Madita-Filme (eigentlich ‚Madicken‘!) gedreht, und man kann sich hier an einem schönen Sommertag gerne mehrere Stunden aufhalten und durch die kleinen Straßen schlendern, die Boote auf dem Göta-Kanal bestaunen und vielleicht die Familie mit Eisträumen des in der Region bekannten Cafés Smultronställe beglücken. Außerdem ist die Stadt mit zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten (alles von kleinen, lokalen Handwerkern bis zu großen Supermärkten) eine bequeme „Proviantstation“ auf der östlichen Nord-Süd-Verbindung.

Fährt man dann weiter auf der E22 Richtung Süden geht es kurz nach Ortsausfahrt links ab nach Sankt Anna (S:t Anna) und Tyrislöt. Sankt Anna ist im übrigen kein regelrechter Ort, wenngleich es zwei Kirchen und eine Schule gibt, um die herum ein paar Häuser stehen. Die Einwohner von Sankt Anna leben über ein größeres Gebiet verstreut, zu denen auch die zahlreichen Inseln vor der Küste zählen. Nach ca 45 min Autofahrt erreicht man dann den Lagnöströmmen. Über eine tolle Brücke geht es hier nach Norra Finnö. Rechter Hand liegt die Jugendherberge Sankt Annas direkt am Wasser und lädt zum Übernachten oder auch nur zu einem kleinen Zwischenstopp im Café ein.

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Hier angekommen bekommt man endlich einen guten ersten Eindruck von der wunderschönen Schärenwelt Sankt Annas. Nach der Lagnöbrücke kann man gleich nach rechts einbiegen und runter zum Wasser fahren (Tanken an der kombinierten Auto-Boot-Tankstelle) oder in einem kleinen Café ein Eis essen. Fährt man ein paar Hundert Meter weiter auf der Hauptstraße liegt rechter Hand (2. Querstraße rechts nach der Lagnöbrücke) die örtliche Touristeninformation, „Edgards hus“, in der auch ein Café untergebracht ist. Dort kann man in einem schönen Garten sitzen, von wo aus man aufs Wasser blicken und sich die vorbeifahrenden Boote schauen kann. Hier gibt es auch allerlei Informationen über die Gegend, einen angelegten Uferweg (ca 800 m, rollstuhl- und kinderwagengeeignet, Vogelbeobachtungsturma auf halber Strecke) sowie einen ca 1200 m langen Waldwanderweg. Öffnungszeiten im Sommer zwischen 10 und 17 Uhr (alle Tage inkl. Wochenende).

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Nun sind es noch ca 20 Minuten mit dem Auto bis ans Ende der allgemeinen Straße nach Tyrislöt. Schon kurz nach der Lagnöbrücke kann man auch links nach Mon abbiegen, wo man u a  Hütten und Kanus mieten kann. Weiter auf der Hauptstraße, die teilweise reicht kurvig vorbei an Weiden und durch Kiefernwälder führt gelangt man zum Abzweig (rechts) nach Sanden und zum Källbuktens Campingplatz. In Sanden gibt es einen Landhandel, der gut sortiert ist. Den kann man auch gut per Boot erreichen, da er nicht unweit eines größeren, öffentlichen Bootssteges liegt (von dem man auch gut Barsche fischen kann!!). Hier gibt es auch einige wenige Hütten über private Anbieter zu mieten und einen kleinen sehr ruhigen Sandstrand – passend vor allem für kleine Kinder geeignet (da seicht!). Der nahegelegene Campingplatz ist wunderschön am Wasser gelegen und v a für Familien sehr geeignet. Die sanitären Einrichtungen sind eher einfach, aber in der Regel sauber. Es gibt dort gute Bademöglichkeiten, und man kann hier Kanus mieten, und die Plätze für Camper verteilen sich teilweise auf freiliegende Rasenflächen oder unter schattenspendenden Kiefern und Birken. Wir haben hier auch schon am Wochenende gecampt und können den Platz wirklich empfehlen – einfach aber schön.

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Auch am Ende der 210 in Tyrislöt gibt es einen Campingplatz. Hier übernachtet man evtl. ein wenig exponierter als in Sanden, v a auf den Plätzen, die direkt an der „Hauptstraße“ liegen, die jedoch meist von schwedischen Dauerncampern belegt sind. Der andere Teil des Campingplatzes liegt ein wenig abgeschiedener mit Zugang zum Wasser und guter übriger Infrastruktur. Der Platz ist insgesamt offener und vielleicht ein wenig heller als Källbuktens Campingplatz in Sanden, der eben von vielen schattenspendenden Bäumen gesäumt ist. In Tyrislöt gibt es einen wirklich guten Kajakverleih, in dem wir vor vielen Jahren schon Seekajaks gemietet haben, als wir noch keinen eigenen Boote hatten. Und Seekajaks sind eine gute Art, die Schären in der Nähe zu erkunden. Denn die Schären kann man eigentlich nur so richtig vom Boot aus erkunden, weshalb wir zumindest einen Tagesausflug mit der bereits oben erwähnten Skärgårdslinjen ins nahegelegene Harstena empfehlen (siehe auch Segeln am Nationaltag), die am Ende der Straße in Tyrislöt abfährt. Am Eingang zum Camping liegt ein nettes Café, in dem auch die Rezeption des Campingplatzes untergebracht ist. Im Sommer finden hier auch des öfteren kleine Auftritte regionaler Musiker statt.

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Sankt Anna lohnt sich definitiv für eine mehrtägigen Besuch, und den Umweg auf dem Weg nach Norden bereut man letztendlich wirklich nicht. Man sollte sowieso versuchen so oft wie möglich von den Europastraßen abzufahren und kleinere, lokale Wege nutzen – zumindest, wenn man dafür Zeit hat. Von Norden kommend (natürlich auch umgekehrt!), kann man auch die Abfahrt Jönåker von der E4 wählen und fährt dann weiter gen Süden (den Schildern „Hamn/Jönåker/Arkösund“ folgen). Ca 20 km in Säter kommt man dann zur ersten gelben Straßenfähre (umsonst, statt Brücke). Nach der kurzen Überfahrt geht es weiter nach Süden bis nach Norrkrog, von aus man mit der nächsten Straßenfähre nach Stegeborg übersetzt. Hier gibt es u a ein nettes Restaurant direkt am Wasser und einen großen Yachthafen sowie ein Hotel. Fährt man auf der Straße weiter kommt man kurz danach auf die 210, kurz vor S:t Anna (einfach links abbiegen Richtung Tyrislöt).

Wer will kann hier raus natürlich auch mit dem Fahrrad fahren (B hat das ja letztens in die umgekehrte Richtung gemacht), aber für einen richtigen Rundkurs muss man schon die Boote nutzten, die zwischen den einzelnen Inseln und Küstenabschnitten verkehren, sonst wird’s anstrengend…

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Und wenn man richtig Glück hat, kann man hier sogar Delfine sehen!!!

4 Kommentare

  1. Pingback: Göteborgs Schärengarten | Love Affair mit großen Steinen | Reiseblog Viermal Fernweh

  2. Delfine???? Ich will unbedingt Delfine sehen! Wusste gar nicht, daß man die in Schweden sehen kann!

    Vielen Dank für diesen Bericht! Der wird für die Reiseplanung im Hinterkopf gespeichert!
    Viele Grüße,
    Martina

    • Norra Finnö liegt uns ganz besonders am Herzen – eine wunderschöne Gegend an der schwedischen Ostküste und auf jeden Fall einen Abstecher wert! Delfine haben wir leider hier auch noch nicht gesehen, nur Seehunde beim Segeln draußen in den Schären… wünschen euch eine schöne Reise! 🙂

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