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Islandroadtrip Teil 2 – etwas abseits des Golden Circle auf Island

Island die Zweite – oder wie mein Solotrip weiterging. Von meinem ersten Versuch seit vielen Jahren wieder einmal alleine zu verreisen, habe ich ja neulich hier berichtet. Die Route ging entlang des Golden Circle auf Island Es wollte sich keine richtige Ruhe einstellen, zumindest nicht bis zum späten Nachmittag am Geysir, wo sowohl das Wetter als auch meine Stimmung freundlicher wurde… 

Golden Circle auf Island

Die Nacht verbrachte ich in einem B&B in Reykholt, dem Guesthouse Fagrilundur, das nicht unweit vom Golden Circle liegt und recht gute Kritiken bei booking.com und tripadvisor bekommen hatte. Ja, genauso so hatte ich vor der Reise ”recherchiert”… wo liegt eine ok-Übernachtungsstelle in der Nähe vom Golde Circle? Hmm, mal auf der Karte schauen… Internet befragen… aber das ging zumindest gut. Das kleine Holzhaus im Blockhüttenstil lag direkt an der Einfahrt zu Reykholt und war schnell gefunden. Das Zimmer nicht groß, aber mehr als ausreichend, saubere Toiletten und Duschen auf dem Flur. Das Haus wird von einem Holländer und seiner isländischen Frau geführt. Es stellte sich heraus, dass er bereits genauso lange in Island wohnte, wie ich in Schweden… außerdem konnte er ein wenig Norwegisch, was er auch sofort an den Mann bringen wollte, und wie so viele Holländer auch ein wenig Deutsch. Bei meiner Ankunft wurden mir gleich mal Pantoffeln in die Hand gedrückt, denn die Schuhe musste man hier gleich hinter der Tür ausziehen… wie bei uns zuhause in Schweden. Hier fühlte ich mich schnell wohl.

Am nächsten Morgen gab es ein leckeres und recht umfangreiches Frühstück, das man im gemeinsamen Frühstücksbereich einnahm. Außer mir hatten noch einige andere Ausländer, vor allem Holländer hier übernachtet. Das Haus war mit seinen wenigen Zimmern in dieser Nacht ausgebucht gewesen.

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So gegen 10 Uhr ging es dann los. Zuallererst lenkte ich die Blechbüchse, die mir inzwischen wirklich ans Herz gewachsen war, zu einem Wasserfall ganz in der Nähe. Dieser lag an einem Campingplatz außerhalb Reykholts, wo ich auch nochmal Thomas und Manuela traf, die dort mit ihrem „Gunnar“ übernachtet hatten. Kurz noch ein paar Bilder geschossen, fuhr ich dann auch bald weiter. Zuerst wollte ich direkt zur Gamla Laugin (Secret Lagoon) in Fludir fahren, machte aber noch Halt an einer kleinen isländischen Kirche, Bræðratungukirkja. Nachdem ich bereits am Tag zuvor viele solcher kleiner Holzkirchen überall auf meiner Fahrt durch das Land gesehen hatte, wollte ich mir nun auch einmal eine etwas näher anschauen. Der Wind schlug den einen Flügel der äußeren Tür immer wieder gegen den Türrahmen, was die Ruhe ein wenig störte. Im Inneren der Kirche wurde man doch sofort von dieser speziellen Stille umgeben, die es nur in Kirchen oder ähnlichen Gebäuden zu geben scheint. Selbst in dieser wirklich kleinen Kirche hatte man es fertig gebracht, die Außenweilt größtenteils auszuschließen, und es umgab einen eine wohltuende Ruhe, die ich auch eine ganze Weile genoss, bevor ich mich weiter auf den Weg machte.

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Meinen Plan zuerst zur Gamla Laugin (Sectret Lagoon) zu fahren, hatte ich inzwischen aufgegeben und fuhr die wenigen Kilometer zurück nach Reykholt und dann weiter zum Kratersee Kerið, der vor ungefähr 6500 Jahren entstand und neben ein paar weiteren Kratern hier in einer ehemals vulkanisch aktiven Gegend liegt. Seine ovale Form erstreckt sich über 270 m in der Länge, 170 m in der Breite, und er ist 55 m tief. Ich war ein wenig verwundert, dass man hier Eintritt bezahlen musste, aber hoffe, dass das Geld für die touristische Infrastruktur Islands verwendet wird, sprich entsprechende Parkplätze und vor allem Toiletten (davon gibt es hier wirklich zu wenige)! Ich drehte eine Runde um den Krater, bewunderte die unterschiedlichen Farbschattierungen der Vegetation entlang des Kraters und machte einige Fotos bevor ich mich dann wieder ins Auto setzte und zurückfuhr.

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Nun wollte ich endlich zur Secret Lagoon, von der ich einiges vorher gelesen hatte, und die im Internet oft als „Geheimtipp“ gehandelt wurde. Wie auch immer war es dort jedenfalls im Vergleich zum Touristenstrom auf dem Golden Circle am Vortag extrem ruhig. Ich war am späten Vormittag da, noch vor den Touristenbussen, die anscheinend immer nachmittags dorthin kommen. Alles war recht einfach gehalten. Das Becken war nicht extrem groß, aber da außer mir nicht so viele andere Gäste da waren, mehr als ausreichend. Ich weiß allerdings nicht, wie es sich angefühlt hätte, wenn man sich hier gemeinsam mit einer Hundertschar Bustouristen im Wasser getummelt hätte… Das Wasser war klar, wunderschön heiß und ließ einen wirklich so richtig entspannen. Und nach einem kurzen Augenblick im Bad passierte es dann… die Wolkendecke öffnete sich, und die SONNE kam hervor! Ich hatte ja fast gedacht, das sie es hier auf Island gar nicht gebe, obwohl ich im am Vortag am Gullfoss für einen kurzen Moment sogar einige wenige Sonnenstrahlen erblickt hatte. Nun konnte man sogar aus dem Wasser gehen und sich in der Sonne trocknen lassen. Überall um das Bad herum dampfte es aus dem Boden und brodelte es in verschiedenen Quellen.

Secret Lagoon

In der Secret Lagoon bei Sonnenschein!

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Nicht unweit vom Bad standen mehrere große Gewächshäuser, ein recht typischer Anblick in dieser Gegend, wo extrem viel Gemüse vor allem Tomaten u.ä. angebaut wird. In Reykholt, wo ich die letzte Nacht verbracht hatte, lohnt sich wohl ein Besuch bei Friðheimar, wo man sowohl deren Tomatenkulturen in den Gewächshäusern besichtigen kann als auch eine leckere Tomatensuppe und so allerlei andere Tomatenspeisen genießen kann. Deren Öffnungszeiten deckten sich doch leider nicht mit den wenigen Stunden, die ich in Reykholt verbrachte.

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Thermisch beheizte Gewächshäuser in Fludir

Bei Sonnenschein ist Island nochmal schöner – und grüner!

Nach einer guten Stunde verließ ich das Bad wieder und setzte meinen Weg gen Osten fort. Ich hatte – wen wundert’s – kein richtig erklärtes Ziel mehr diesen Tag, außer die erste Kongressveranstaltung in Reykjavik am Abend. Mein Plan war, in einem großen Bogen über die Landstraße 32 und dann eventuell weiter über die Landstraße 26 zurück nach Selfoss, um dann schließlich nach Reykjavik zu fahren. Der zweite Teil ist absolute Off-Roadstrecke. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine wirkliche Ahnung, wie lange das dauern würde, wenngleich mir der Navigations-App immer ungefähre Ankunftszeiten vorgab. Nach einem kurzen Mittagessen an der Tankstelle in Árnes fuhr ich weiter Richtung Osten. Immer wieder musste ich anhalten, um diese einzigartige Landschaft zu fotografieren und zu bewundern. Unter anderem hielt ich bei Hjálparfoss, einem weiteren Wasserfall und fuhr dann weiter auf die Hochebene und entlang eines künstlichen Sees, dem Bjarnalón, der für den Betrieb eines großen Wasserkraftwerks genutzt wird. Die Gegend um den See glich einer Mondlandschaft, und die unglaublich gut ausgebaute Straße war im Prinzip fast menschen- und autoleer, ganz im Gegensatz zum gestrigen Golden Circle. Waren am Hjálparfoss noch einige andere Touristen vor Ort gewesen, war ich hier oben nun fast völlig alleine unterwegs.

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Hjálparfoss

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Die Straßenverhältnisse änderten sich doch schlagartig, als ich in die Landstraße Nr. 26 zurück nach Selfoss einbog. Nun war Schotterstraße angesagt, was ich anfänglich richtig klasse fand! Nun konnte die Blechbüchse mal so richtig zeigen, was in ihr steckte. Allerdings verlor ich nach wenigen Kilometern bereits die Lust, wurde ich doch so extrem durchgerüttelt, dass ich dachte, das Auto fällt bald auseinander… auch drohte mir mein Navigations-App mit einer extrem späten Ankunftszeit in Reykjavik, so dass ich dann doch wieder umdrehte und für die Rückfahrt lieber den bekannten, asphaltierten Weg Nr. 32 wählte.
Ich gönnte dann aber mir und der Blechbüchse doch noch einen kleinen 4×4-Abstecher über eine extrem holprige und steinige Straße… einfach nur weil da ein Schild stand, dass die Straße nur für Allradfahrzeuge zugelassen war… ich wusste noch nicht einmal, wo sie hinführte… auch wenn mir kurzweilig Zweifel an dieser Aktion und meinem mentalen Zustand kamen, so konnte ich nicht widerstehen… und Spaß machte es auf jeden Fall!

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In Island tut man wohl immer gut daran, sich über Straßen- und Wetterbedingungen zu informieren. Entweder fragt man die Einheimischen oder man schaut sich die aktuellen Informationen im Internet an, z.B. auf den Seiten der Icelandic Road and Coastal Administration. Dort kann man auch relativ leicht erkennen, ob die Straßen asphaltiert oder z.B. nur mit einem Allradfahrzeug zu befahren sind.

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Der Rückweg nach Reykjavik gestaltete sich recht unspektakulär. Alles verlief im Prinzip nach Plan. Ich kam rechtzeitig am Kongresshotel an und auch noch rechtzeitig zur ersten Abendveranstaltung im Walmuseum der Stadt.

In den folgenden Tagen durfte ich sogar einen richtigen Sommertag in Island erleben, wenn auch größtenteils in fensterlosen Kongresslokalen, aber mit einem wunderschönen Spaziergang um Mitternacht durch die Stadt, in der es an diesem Tag Ende Mai sogar noch heller war als bei uns zuhause in Schweden.

Reykjavik um Mitternacht

Auch wenn mein kleiner Kurztrip nach Island ohne Familie eher etwas chaotisch war, so sind doch sehr bleibende Eindrücke geblieben. Ich habe definitiv Lust auf mehr bekommen und bearbeite gerade die 4aufeinenstreich-Familie, nächsten Sommer doch die Insel gemeinsam in unserem VW-Camper zu erkunden. Dann könnten wir auch nochmal so richtig die Allradstrecken der Insel erkunden – einfach nur so…

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Ich war ja wie bekannt allein unterwegs, aber wenn ihr noch ein paar Tipps fürs Reisen mit Kindern in Island braucht, dann schaut doch mal hier vorbei:

Alexandra, die viel mit ihrem Sohn in der Welt unterwegs ist und darüber regelmäßig auf ihrem Blog levartworld berichtet, hat Island teilweise wandernd erkundet.

Geraldine hat zusammen mit ihrer Familie Island bereist und berichtet darüber auf ihrem Blog reiseratte.

Lena und ihre Familie von family4travel haben sich auf ihrer Nordlandkreuzfahrt für einen knappen Tag im Mietwagen auf den Golden Circle getraut.

Geertje von der Nordicfamily war 2010 mit Familie für einige Wochen auf Island.

Die Lieblingsentdeckungen auf Island von Maria-Bettina und ihrer Familie findet ihr auf ihrem Blogg kinderamtellerand.

Über ihre 10 persönlichen Island-Highlights hat Sabine auf ihrem Blog ReiseSpatz geschrieben.

Und dass der Golden Circle auch im Winter attraktiv – und vor allem viel ruhiger als im Sommer – ist, beschreibt Eva sehr anschaulich auf hiddengem.de

Richtig viel Islandinformation findet ihr auch bei den Islandexpertinnen Jutta von 6GradOst und Inka von blickgewinkelt.

 

Und wenn ihr noch irgendwelche anderen Tipps für Island für uns habt, dann bitte immer rein damit in die Kommentare!!

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